Ein Wintermärchen

Ein Wintermärchen

Und schon ist es da! Weihnachten!

Heute seid ihr bei Türchen 24 unseres wunderbaren Dogblogger Adventskalenders gelandet, den die liebe Stephanie von The Pell Mell Pack organisiert hat (lieben Dank dafür, liebe Stephie)! Vierundzwanzig Tage lang jeden Tag ein Türchen mit tollen Geschichten, Rätseln, Gewinnen, Rezepten und vielem mehr!

Gestern konntet ihr bei Silke Schippmann (vawidoo) den Brief eines Tierschutzhundes an das Christkind lesen! Hacsek, der Boxerjunge aus Ungarn hat nur einen einzigen Wunsch: eine Familie, die ihn liebt, sich um ihn kümmert. Lieber Hacsek, dein Weihnachtswunsch ist in Erfüllung gegangen! Da haben wir doch unser Weihnachtswunder!

Wir wünschen euch am heutigen Weihnachtstag eine ganz besonders schöne Zeit mit eurer Familie und/oder euren Freunden. Feiert schön und verbringt eine wunderschöne Weihnachtszeit!

Und jetzt geht's los mit unserem Wintermärchen, es war einmal...

Damals

Es war kalt. So bitterkalt! Und so dunkel. Mitten in der Nacht.

Jule stapfte durch den tiefen Schnee und zog fröstelnd den Schal vor ihr Gesicht. Zum Glück hatte sie an ihre Handschuhe gedacht. Sonst wären ihr schon längst die Finger abgefroren. Und einen Rucksack mit Proviant hatte sie auch dabei. Sie hoffte, in spätestens drei Stunden wieder daheim in ihrem warmen Bett zu liegen. Doch erst musste sie ihre geheime Mission erledigen.

Ksch, ksch, ksch… Was war das? Erschrocken blieb sie stehen und schaute sich um. So ein Mist, dachte sie, es ist wirklich stockduster. Jule warf einen Blick in den Himmel, der verhangen war von dicken, dunklen Wolken. Vollmond! Von wegen! Vor lauter Wolken sah man den Mond überhaupt nicht. Und hell war was anderes! Das Geräusch war vergessen und sie stapfte weiter.

Ah, sie könnte ja die Taschenlampe aus ihren Rucksack holen! Dass sie da vorher nicht dran gedacht hatte. Sie hatte sie ja extra eingepackt. Wieder blieb Jule stehen und kramte in ihrem Rucksack nach der Taschenlampe.

Ein Wintermärchen Ksch, ksch, ksch… Vor Schreck ließ sie die Lampe fallen, die sofort im tiefen Schnee versank. Verflixt nochmal! So ein Mist! Vorsichtig ließ sie sich auf die Knie nieder und tastete im Schnee nach ihrer Taschenlampe. Ah, da war sie ja! Erleichtert hob sie sie auf und schaltete sie an.

Jule leuchtete einmal in die Runde. Nichts war zu sehen und jetzt auch nichts mehr zu hören. Seltsam. Ein Seufzer entfuhr ihr. Was musste sie sich auch mitten in der Nacht auf den Weg machen. Aber es ging ja nicht anders, nur heute, in dieser dunklen Vollmondnacht! Deshalb hatte sie sich klammheimlich und unbemerkt von ihrer Familie aus dem Haus geschlichen.

Die Taschenlampe flackerte. Jule blickte auf sie hinab. Sie hatte doch eine neue Batterie eingelegt? Oder? Doch, ganz sicher!!! Ah, vielleicht hatte sich durch den Absturz vorhin einfach nur etwas gelockert oder verschoben? Ja, das war der Grund. Sie schraubte das Gewinde wieder fest und schon erleuchtete ihre Taschenlampe wieder hell und freundlich den Weg.

Was war das? Da vorne rechts unter dem Busch am Wegrand? Ein kleiner weißer Hügel, der jedoch im Licht ihrer Lampe nicht so glitzerte wie der Schnee. Langsam bewegte sie sich auf den kleinen Hügel zu. Und plötzlich sah sie es: zwei kohlschwarze Augen blickten ihr entgegen. Sie ließ sich langsam auf die Knie nieder und blickte diesem Wesen ins Gesicht.

Ein schneeweißer Hund, der sich unter dem Busch zusammengerollt hatte. Mit schwarzen Augen und einer schwarzen Nase. Ooooh! So ein hübscher Hund! Vorsichtig streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Der Hund ließ es sich gefallen und schmiegte den Kopf in ihre Hand, so streichelte sie sanft über den weichen Kopf. Leise fragte sie den Hund: „Willst du mich begleiten?“ Das ließ sich der Hund nicht zweimal sagen und stand auf. Gemeinsam machten sie sich auf Jules weiteren Weg.

Ein Wintermärchen „Wo kommst du nur her? Und warum liegst du mitten im Wald im Schnee?“ fragte Jule den Hund. Dieser antwortete: „Ich heiße Snow. Man hat mich aus dem Tierheim geholt, da war ich erst vier Monate alt. Ein Ostergeschenk für die Kinder. Doch mit der Zeit war ich der Familie wohl zu anstrengend, zu groß, zu weiß, zu was auch immer. Da haben sie mich einfach in den Wald gebracht und an einen Baum gebunden. Ich habe die Leine durchgekaut und das Halsband saß eh locker. Das habe ich verloren. Seitdem wandere ich von Wald zu Wald. Ich bin schon viele Kilometer gelaufen. Doch ich vermisse es, mit jemandem zusammen unterwegs zu sein. Ich vermisse, zu jemandem zu gehören. Wirst du mich behalten? Wirst du mir ein Zuhause geben?“

Jule sah erstaunt auf den Hund herab und direkt in seine Augen. Er hatte ihr geantwortet! Und sie hatte seine Antwort verstanden! So einen Hund wollte sie schon immer haben. Sie lachte laut auf. „Ja! Ja! Ja! Ich werde dich behalten. Du sollst mich begleiten, wohin ich auch gehe!“ Plötzlich war es gar nicht mehr so kalt und dunkel. Wärme machte sich in den beiden Herzen breit. Sie waren ab jetzt ein Team.

Die Wolkendecke riss auf. Der Vollmond kam zum Vorschein und streute sein glitzerndes Nachtlicht über den Wald und den Weg, den Jule und Snow gemeinsam beschritten.

„Ich muss den goldenen Zweig holen“ sagte sie zu Snow. „Den findet man nur in dieser Nacht bei Vollmond.“ Snow blickte sie an: „Was ist ein goldener Zweig und wofür brauchst du ihn? Und was ist mit dieser Nacht? Was ist so besonderes an ihr?“

„Heute ist Heilig Abend“ antwortete sie. „Weihnachten und Vollmond. Dann kann man bei der Burg die alte Eiche sehen und wenn ich rechtzeitig bis Mitternacht dort ankomme, dann schenkt mir die alte Eiche einen goldenen Zweig. Wir müssen unser Häuschen reparieren und haben nur wenig Geld. Ich kann nicht mehr arbeiten gehen mit meinen kaputten Armen und mein Mann verdient nicht genug. Die Eltern meines Mannes sind alt und müssen gepflegt werden. Sie leben auch bei uns. Ich kümmere mich gerne um sie. Sie sind freundlich und lieb. Aber ihre Pflege kostet auch. Mit dem goldenen Zweig zieht wieder Glück in unser Haus. Vielleicht findet mein Mann dann eine besser bezahlte Arbeit. Vielleicht können wir unser Haus reparieren. An allen Ecken und Enden zieht es und ist kalt. Vielleicht heilen meine Arme dann besser und ich kann auch wieder ein wenig Geld dazu verdienen. Wir brauchen ein wenig Glück. Meine Familie weiß nicht, dass ich heute Nacht losgegangen bin, um den Zweig zu holen. Denn ich dachte, wenn ich es nicht schaffe, dann sind sie enttäuscht. Und das wollte ich ihnen ersparen.“

Ein Wintermärchen Snows schwarze Augen sahen Jule lange an. Dann sagte er: „Wir schaffen das. Du hast ja jetzt mich. Ich helfe dir. Schau, da vorne ist sie schon – die Burg. Und sieh da! Da steht er, der alte Eichenbaum.“

Im Licht des Vollmonds erstrahlte die alte Eiche, die man nur an Heilig Abend in Verbindung mit dem Vollmond sehen konnte. Es war genau zwölf Uhr, als Snow und Jule bei ihr ankamen. Ein kleines Rascheln, ein kurzes Ächzen und herab fiel ein kleiner goldener Zweig – direkt in Jules Arme.

Sie weinte vor Glück und drückte Snow fest an sich. „Danke mein Freund. Danke für deine Hilfe! Dann machen wir uns jetzt auf den Heimweg. Vielleicht wirkt der Zweig ja schon und wir finden ein warmes Feuer im Kamin vor, wenn wir heimkommen.“

Ein Wintermärchen Heute

Seit dieser Nacht sind fünfzehn lange Jahre ins Land gegangen. Jule drehte sich um und blickte, wie immer, in Snows schwarze Augen. Ja, immer noch waren diese Augen tiefschwarz, ebenso wie seine Nase. Snow schien keinen Tag älter geworden zu sein seit damals, als sie sich zum ersten Mal begegneten. Sie war glücklich. Ihr Treffen in dieser Nacht war wirklich vom Schicksal bestimmt gewesen. Dieser Hund begleitete sie überall hin.

Auch wenn sie den goldenen Zweig in jener Nacht nicht bekommen hätte, allein diesen Hund zu finden, war ihr größtes Glück. Ihre Arme waren wieder gesund und sie konnte mit ihren Näharbeiten ein wenig Geld dazu verdienen. Sie nähte leidenschaftlich gerne und in der Zwischenzeit hatte sie sogar einen kleinen Laden. Die Eltern ihres Mannes hatten noch ein glückliches Leben in ihrem Waldhaus gehabt und waren in der Zwischenzeit in einem recht hohen Alter friedlich eingeschlafen. Ihr Mann hatte nun schon lange eine bessere Arbeit, die ihm noch dazu unglaublich viel Freude machte. Alles war wunderbar. Und, sie drehte sich um und blickte auf ihre beiden Kinder, die am Küchentisch saßen und Plätzchen mampften, und er hatte ihr zwei wunderbare Kinder geschenkt. Glücklich lächelnd blickte sie wieder zurück zu ihrem Hund.

Snow sah sie an, sah die Kinder an und machte es sich langsam gemütlich vor dem warmen Kaminfeuer. Heilig Abend. Auch heute wieder. Der goldene Zweig hing jetzt über dem Kamin. Er war zufrieden. Er hatte eine Familie, die er noch lange begleiten würde. Denn sie wussten ja nicht, dass er unsterblich war!

Alle Vektorgrafiken sind von Pixabay, von mir verändert und zu Bildern zusammengefügt.

LEin Wintermärchen

LEin Wintermärchen

7 thoughts on “Ein Wintermärchen”

  1. Liebe Antoinetta,
    das ist ein wunderschönes Weihnachtsmärchen. Vielen Dank dafür!
    Hoffentlich steckt in all unseren Hunden etwas Snow. Magisch sind sie mit Sicherheit alle, aber extrem langlebig wäre auch wunderbar. ❤
    Frohe Weihnachten!
    Herzliche Grüße
    Stephie

  2. Liebe Antonietta
    Ein wundervolles Märchen! Du schreibst so spannend, ich hab den dunklen Wald und den Schauer zu Beginn gespürt. Wie schön in so einem Moment einen Begleiter zu finden, der einem hilft, gesund zu werden und wieder ein glücklich Leben zu führen. Oh wenn sie nur alle unsterblich wären – aber wir machen das Beste aus der gemeinsamen Zeit!

    Alles Liebe

    Anna

  3. Eine wunderschöne Heilig Abend Geschichte für Gross und Klein … und wer wünscht sich nicht einen undsterblichen vierbeinigen Begleiter ..,
    Frohes Fest

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