Sicherheit geht vor – 6 Tipps, wie man seinen Hund gut sichern kann!

Sicherheit geht vor – 6 Tipps, wie man seinen Hund gut sichern kann!

Als Paolo im Dezember 2015 zu uns kam, merkten wir schnell, – schneller als uns lieb war – dass er ängstlich bis panisch auf ihm unbekannte Dinge reagiert. Ich glaube, ich habe schon mal erzählt, dass er uns – ja, er wurde uns mit Halsband von der Pflegestelle übergeben, die es eigentlich besser wissen müsste… - gleich vor unserer Ankunft daheim aus dem Halsband geschlüpft ist. Der Hund war panisch und eine entgegenkommende Frau mit Kinderwagen hatte diese Panik ausgelöst. Ein kurzer Sprint über die Straße und ins Unterholz hat auch uns „leicht“ panisch werden lassen. Um ehrlich zu sein, am liebsten hätte ich Zeter und Mordio geschrien. Dafür war aber keine Zeit.

Sicherheit geht vor – 6 Tipps, wie man seinen Hund gut sichern kann!Bange Minuten…

Zwanzig lange Minuten, die mir persönlich wie Stunden vorkamen, hat es gedauert, bis ich ihn aus dem Unterholz heraustragen konnte. Dass das überhaupt geklappt hat, kann ich heute immer noch nicht so ganz fassen. Meist ist in solchen Momenten der Hund auf und davon. So wie es dieses Jahr im Frühjahr geschah – die fünf Monate alte Hündin hat ihre Flucht leider nicht überlebt. Auch sie, eine Angsthündin, wurde mit Halsband an die neuen Hundehalter übergeben. Eine Woche hat sie sich irgendwie über Wasser gehalten, ständig auf der Flucht. Stress pur für so einen Hund. Und dann wurde ihr die vielbefahrene Bundesstraße zum Verhängnis. Meine Gedanken hierzu könnt ihr hier nachlesen.

Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich im Nachhinein noch bin, dass uns und unserem Hund dieses Schicksal erspart blieb. Doch immer wieder passiert es. Unwissenden und nicht ausreichend informierten neuen Hundeeltern eines Tierschutzhundes zum Beispiel. Hier liegt das Manko eindeutig auf Seiten der Tierschutzorganisationen. Doch auch, wenn genug Informationen zur Sicherung da sind und die Hunde wirklich nur gut abgesichert aus dem Haus gehen – kann etwas passieren. Ein Sturz, die Leine fällt aus der Hand – und der Hund ist weg.

In diesen Momenten sind die Hunde nur noch auf Flucht gepolt. Die Bindung / Beziehung zu seinen Menschen ist noch nicht besonders groß oder vielleicht auch noch gar nicht vorhanden. Nichts gilt mehr. Alles erscheint als Gefahr. Und wir dürfen nicht vergessen, dass viele Tierschutzhunde schon auf der Straße gelebt haben, bevor sie zu uns kamen. Sie schlagen sich durch. Irgendwie. Und sind teilweise jahrelang unterwegs. Hier. Bei uns. In Deutschland. Fast täglich gibt es irgendwo Berichte zu lesen, dass wieder ein Hund entlaufen ist.

Sicherheit geht vor – 6 Tipps, wie man seinen Hund gut sichern kann!Anfängerfehler Nummer Zwei

Uns führte damals der Weg so bald als möglich in ein Tierfachgeschäft in unserer Nähe. Das bedeutete, mit dem Auto vor die Haustüre fahren, Autotüre öffnen, Hund ins Auto bugsieren und ab damit ins Geschäft. Dort haben wir – wir waren ja die totalen Anfänger – ein „normales“ Geschirr für Paolo gekauft. Dazu noch ein passendes Halsband und die Leine hakten wir ins Geschirr und ins Halsband ein.

Ja, was soll ich sagen. Die ersten Male Gassi gehen fühlten wir uns sicher. Bis wieder etwas Gruseliges unseren Weg kreuzte und unser Houdini-Hund bewies, dass aus so einem Geschirr aussteigen ja so gar kein Problem ist. Anfängerfehler, die böse ins Auge gehen können. Irgendwie hat entweder unser Hund oder wir einen mächtig tollen Schutzengel!

Bis dann unser Sicherheitsgeschirr eintraf, probierten wir es weiterhin mit Halsband und Geschirr, doch diesmal zogen wir die Leine durch den Ring vom Geschirr, bevor wir sie im Halsband einhakten und das andere Ende befestigten wir weiterhin am Ring des Geschirrs. Die nachfolgenden Ausflüge waren immer mit Stress verbunden – zumindest bei mir. Ich achtete mehr und mehr auf die Umgebung, versuchte rechtzeitig auszuweichen und wünschte alles, was meinen Hund ängstigte, auf den Mond.

Sicherheit geht vor – 6 Tipps, wie man seinen Hund gut sichern kann!Wie sieht sie aus, die optimale Sicherung?

Tipp 1

Ein Sicherheitsgeschirr ist für einen ängstlichen Hund / Angsthund ein absolutes Muss. Es gibt wohl auch hier besondere Houdinis unter den Hunden, die sich herauswinden können, aber es ist auf jeden Fall schwieriger.

In folgendem Video könnt ihr sehen, wie ein Hund aus einem „normalen“ Geschirr gekonnt aussteigt. (Dazu muss ich allerdings anmerken, dass hier die Situation eine völlig andere war. Der Hund braucht kein Sicherheitsgeschirr, er läuft nicht weg. Er ist schon lange bei seiner Familie und hatte an diesem Abend keine Lust mehr auf Gassi gehen, hat sich befreit und wollte wieder nach Hause. Daher zieht er nach hinten und befreit sich. Er ist wohlbehalten und ihm ist auch nichts passiert. Die Familie amüsiert sich eher über ihren Ausbruchskünstler.) Doch das Video verdeutlicht sehr schön, wie ein Hund aus dem Geschirr kommt:

Sicherheitgeschirre findet ihr hier:

Bellissimo in Dachau - Zum Glück ganz bei uns in der Nähe. Hier bekommt ihr ein Geschirr / Sicherheitsgeschirr nach Maß! Auch Paolo hat dort welche bekommen. 

Sientas 

AnnyX - Paolo hat Sicherheitsgeschirre von AnnyX. Wir sind sehr zufrieden damit und sie passen ihm gut. Probiert sie nach Möglichkeit vorher an, um feststellen zu können, ob die Passform für euren Hund optimal ist.

Blaire - Auch hier gibt es Maßanfertigungen.

Aladins Tierparadies - Hier werden die Geschirre ebenfalls maßgefertigt.

Ruffwear - Hier gilt dasselbe wie bei AnnyX: schaut einfach, ob die Passform für euren Hund optimal ist!

Gerade für die erste Zeit, bis ein passendes Geschirr da ist, kann man Sicherheitsgeschirre auch mieten: Tierschutz rettet Leben

Tipp 2

Leinen mit Sicherheitskarabiner kaufen, die sich nicht versehentlich von selbst öffnen können. Das ist uns nämlich auch mal passiert. Paolo war aber zu diesem Zeitpunkt schon einige Monate bei uns und Weglaufen wollte er da schon nicht mehr. Trotzdem eine blöde Situation, aus der alles Mögliche entstehen kann.

Tipp 3

Zwischen Halsband und Geschirr wird ein Verbindungsstück befestigt – doppelte Sicherung

Tipp 4

Die Schlaufe der Leine ist um das Handgelenk gewunden. Es gibt auch extra Handschlaufen zu kaufen, die man an der Leine befestigen kann.

Tipp 5

Die Leine wird mit einem Ruckdämpfer an einem Bauchgurt befestigt. Es gibt Bauchgurte im Zughundesport aber auch Joggingleinen mit Bauchgurten zu kaufen.

Tipp 6

Man arbeitet mit zwei Leinen – eine trägt man über die Schulter gehängt und die Führleine wird daran befestigt oder man besorgt sich eine extra lange, verstellbare Leine, die man sich umhängen kann.

Sicherheit geht vor – 6 Tipps, wie man seinen Hund gut sichern kann!Was gibt es noch zu beachten?

Habt ihr schon mal einen Hund über ein 2-m-Hindernis springen sehen? Ja, ich gebe zu, es handelte sich um einen Podenco – einen großen! Aber ich muss schon sagen, mir fielen da glatt die Augen raus! Ohne Anlauf, einfach so und hopps! Gärten sind ja nun nicht unbedingt mit einem Zaun gesichert, der 2,50 – 3 m hoch ist. Gefährlich. Ein Geräusch, ein Knall und weg ist der Hund.

Oder ein offenes, vergessenes Türchen – gerade im Sommer. Die Terrassentür ist offen und irgendjemand hat vergessen, das Gartentor zu schließen. Eine Chance, die mancher Tierschutzhund nutzt, so schnell kann man oft gar nicht schauen.

Und davon abgesehen, gibt es unter den Hunden immer wieder die totalen Kletterkünstler. Nichts hält sie davon ab, sich mittels ihrer Kletterkünste auf den Weg in die vermeintliche Freiheit zu begeben.

Das heißt für uns, den Hund eine gewisse Zeit nur mit langer Leine in den Garten zu lassen. Die man entweder selbst festhält oder irgendwo befestigt. Unbeaufsichtigt sollten wir unseren Hund sowieso nicht im Garten lassen. Besser, wir sind in der ersten Zeit mit dabei!

Sicherheit geht vor – 6 Tipps, wie man seinen Hund gut sichern kann!Wird sich das je ändern?

Ja. Bei den einen schneller, bei den anderen langsamer. Je nach Ängstlichkeit und sonstigem Befinden des Hundes. Bis so ein Hund wirklich in seiner neuen Familie ankommt, können Monate vergehen. Und so ein Malheur kann somit auch noch nach Monaten passieren. Lieber vorsichtig und achtsam sein, bis die Beziehung und Bindung zum Hund gut gefestigt ist. Bis die meisten Angstthemen gut bearbeitet sind. Dann kann es auch mehr Freiheit geben für unseren Hund. Auch ein sicherer Rückruf kann hilfreich sein, wenn wir ihn eines Tages freilaufen lassen wollen. Paolo ist jetzt bereits seit zwei Jahren bei uns. Da er auch jagdlich sehr interessiert ist, bleibt er meistens an der Leine / Schleppleine. Weglaufen würde er heute nicht mehr, zumindest unter normalen Umständen. Ein Knall, ein Schussgeräusch, Böller – da würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen – da wäre er weg! Und doch kann er manchmal frei laufen, wenn die Gegend überschaubar ist.

Tauchen unvorhergesehene Knallgeräusche auft, ist allerdings bei allen Hunden besondere Vorsicht geboten. Ganz speziell an Silvester. Hunde mit Geräuschangst müssen nicht aus dem Tierschutz sein. Das kann jeden treffen.

Und wer möchte schon, gerade jetzt bei unseren winterlichen Temperaturen, dass der Hund entläuft und, wenn wir Pech haben, Monate unterwegs ist oder gar dieses Abenteuer nicht überlebt! Passt gut auf eure Vierbeiner auf!

Drei Fotos © by Aloa-Fotos / alle anderen Fotos sind von mir

Als Paolo im Dezember 2015 zu uns kam, merkten wir schnell, –
Als Paolo im Dezember 2015 zu uns kam, merkten wir schnell, –

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