Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?Kennt ihr die Geschichte von dem kleinen Jungen, der alle möglichen riesigen Tiere auf seinen Wunschzettel schreibt? Angefangen vom Elefanten über ein Krokodil… Jeder Wunsch wird von seinen Eltern abgelehnt, da unmöglich zu erfüllen. Wer möchte schon sein Leben mit einem riesigen Elefanten oder gar einem so gefährlichen Tier wie einem Krokodil in Wohnung oder Haus verbringen? Von Wunsch zu Wunsch wird das Tier kleiner, denn der schlaue Junge verfolgt ein ganz bestimmtes Ziel! Ein Hund ist sein Wunsch und nachdem er seine Eltern mit allen unmöglichen Tieren dieser Welt weichgekocht hat, können sie letztendlich zum Hündchen nur noch „Ja“ sagen. So geht sein Herzenswunsch in Erfüllung – der Weihnachts-Hund zieht ein.

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?Spinnen wir die Geschichte weiter…

Der kleine Junge bekommt also seinen Hund zu Weihnachten. Die Freude ist groß! Das Hündchen ist ein Welpe, acht Wochen alt! So süß und niedlich anzusehen! Ein flauschiges kleines Fellknäuel!

Doch was ist das? Autsch!!! Der kleine Hund kneift ja! Das darf der aber nicht! Der kleine Junge dreht sich weg und will nicht mehr mit seinem Hund spielen. Er möchte keinen Hund, der beißt!

Und dort? Igitt!!! Ein kleines braunes Häufchen und daneben ein kleiner See?? Bäh! So geht das ja nicht. Das darf der kleine Hund nicht!

Und immer muss er mit dem Hund gerade dann rausgehen, wenn er viel lieber mit den Freunden spielen möchte. Viel kann er mit dem kleinen Hund eh nicht machen. Außerdem möchte der immer seine Playmobilfiguren fressen! Eine hat er schon kaputt gemacht!

Die Eltern sind auch nicht begeistert. Was macht so ein Tier nur für eine Arbeit! Sie haben die Zeit nicht und wollen das auch nicht. Der kleine Junge kümmert sich nicht mehr, denn er findet den Hund jetzt langweilig. Die ganze Arbeit, wie soll es anders sein, hängt nun an der Mutter. Doch die hat auch keine Zeit, weil sie arbeiten geht und der Vater auch.

Allein bleiben kann der kleine Hund auch nicht. Immer jammert er und weint und bellt. Und hat schon ganz viele Dinge kaputt gekaut. Die Nachbarn beschweren sich über den Lärm.

Die Menschen sind ratlos. So haben sie sich das nicht vorgestellt. Die viele Arbeit, das sich kümmern. Ist ja fast wie bei einem Baby. Das geht nicht. Der Hund muss wieder weg.

Eines Abends nimmt der Vater den kleinen Hund und fährt mit ihm weg. Nach Stunden kommt er wieder zurück – ohne den kleinen Hund. Keiner mag auch nur darüber nachdenken, was mit dem kleinen Hund geschehen ist. Die Stimmung ist niedergedrückt. Aber nach und nach stellt sich Erleichterung ein. Der kleine Hund ist weg. Endlich!

Und irgendwo, im tiefen Wald, sitzt der kleine Hund. Er weiß gar nicht, was mit ihm geschehen ist. Er ist jetzt ganz alleine. Niemand ist hier. Er wurde an einen Baum gebunden und Sekunden später war der große Mensch weg. Der kleine Hund ist traurig. Und ihm ist kalt. Denn es ist ja noch Winter und es liegt viel Schnee. Er versucht, sich zu befreien. Doch er bekommt die Leine nicht durchgebissen. Er bellt. Er weint. Aber niemand kommt zurück und holt ihn wieder ab. Irgendwann gibt er auf und legt sich hin. Was wohl weiter mit ihm geschehen wird? Wir wissen es nicht. Vielleicht findet ihn jemand. Vielleicht auch nicht. Und dann?

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?Zu einfach? Zu überspitzt?

Ja, vielleicht ist diese Geschichte zu einfach, zu überspitzt. Oder doch nicht? Denn dies geschieht. Hier und überall auf der Welt. Mitten unter uns. Hunde werden ausgesetzt, ins Tierheim gebracht, auf Internet-Plattformen wieder verkauft. Weil die Menschen nicht vorher nachgedacht haben. Weil sie einem Kind einen Wunsch zu Weihnachten erfüllen wollten und die Konsequenzen daraus nicht tragen wollten oder konnten. Und dabei hat der kleine Hund noch Glück, wenn er im Tierheim abgegeben und nicht einfach nur ausgesetzt wird.

Dass unser Hund, der zum Zeitpunkt der „Adoption“ schon sieben Monate alt war, ein Nikolaushund wurde, ist Zufall. Ein netter Zufall, zugegeben, aber eben nicht mehr und nicht weniger. Es hat sich sozusagen für uns als Abholdatum so ergeben. Als Nikolaushund geplant war er auf keinen Fall.

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?Weihnachts-Hund – doch wie geht es weiter?

Viele Kinder wünschen sich ein Tier, einen guten Freund, der sie immer begleitet. Ein Tier, das sie herzen und knuddeln können. Ein Tier, das sie tröstet, wenn sie traurig sind. Einen treuen Freund. Wer bietet sich da besser an als ein Hund?

Da fängt das Dilemma auch schon an. Gerade zu Weihnachten möchte jeder seinen größten Wunsch erfüllt bekommen. Ob nun Christkind oder Weihnachtsmann, Befana (die Weihnachtshexe) oder andere geschenkbringende Wesen in unserer Welt – das einzige, das auf keinen Fall unter dem Weihnachtsbaum liegen sollte, ist ein lebendiges Tier. Egal, ob Hund, Katze oder sonstiges Fellknäuel.

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?Weihnachts-Hund – Gut überlegt?

Ein Hundekauf im Besonderen muss gut überlegt werden. Denn so ein süßer kleiner Welpe ist eben nicht nur süß, sondern macht auch viel Arbeit. So ein Welpe muss lernen, dass er seine großen und kleinen Geschäftchen draußen erledigen soll. Er muss lernen, dass er auf keinen Fall in alles und jeden hineinbeißen darf – zumindest nicht so, dass es weh tut oder etwas kaputt geht. Alleinbleiben muss so ein Hundchen auch erst lernen. Das alles ist nicht mal eben so in drei oder vier freien Tagen zu schaffen. Es kann unter Umständen Monate dauern, bis alles soweit passt.

Und das ist ja noch längst nicht alles, was so an Arbeit mit dem kleinen Racker dranhängt. Gassi gehen bei jedem Wetter ist angesagt und entsprechende Kleidung für den Menschen wird benötigt, um dem Wetter zu trotzen. Tierarztbesuche, Hundeschule, Hundebetten, Medikamente, Spielzeug und so weiter und so fort. Laufende Kosten, die oft höher sind, also erwartet.

Hundehaare fliegen überall herum, also heißt es, noch öfter sauber zu machen als sowieso schon. Mutti wird’s schon richten? Yeah! Vielleicht hat Mutti aber keine Lust dazu? Und auch ein Anrecht auf Freizeit?

Apropos Freizeit: auch hier müssen wir uns genau überlegen, ob wir bereit sind, unsere Freizeit dem Hund anzupassen und auch unsere Urlaube entsprechend Hundefreundlich zu gestalten. Und das alles mehr als zehn lange Jahre, die so ein Hund unser Leben hoffentlich begleiten wird.

So vieles hängt am Hund, so dass man wirklich genau nachdenken sollte, ob dieser Wunsch erfüllbar ist oder nicht.

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?Woher soll der Hund kommen?

Auch hierüber müssen wir nachdenken. Ein Welpe? Ein Tierschutzhund? Woher? Welche Organisation ist wirklich gut? Könnte es sich um einen dieser Vermehrerhunde handeln, die, wenn wir Pech haben, von Anfang an krank sind? Wollen wir so etwas wirklich unterstützen? Also doch lieber mehr Geld ausgeben und zum Züchter? Auch hier heißt es „Augen auf“ und diesen genau unter die Lupe nehmen.

Das alles braucht Zeit. Und ist oft nicht in wenigen Wochen zu entscheiden.

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?Keine schnelle Entscheidung!

Und auch, wenn ich mir vorher viele Gedanken mache – unerwartete Dinge hängen immer an so einem Tierchen dran. Unser Hund hat zusätzlich zu allem sein Päckchen zu tragen und wir tragen alle immer noch ein wenig daran mit. Seine Angstproblematik ist schon sehr viel geringer geworden. Wegzaubern können wir sie jedoch nicht. Das bedeutet fortlaufende Arbeit und viel Management und Training, wenn wir zusammen unterwegs sind.

Wir sollten uns unsere Entscheidung pro Hund nicht allzu leicht machen. Schaut man sich erst einmal einen Hund an, egal ob Welpe oder schon etwas älter, ist es oft schnell um uns geschehen. Daher ist es wichtig, sich all diesen Überlegungen vorher zu stellen.

Ein Tierschutzhund ist sicher eine gute Sache. Was aber, wenn dieser Hund aus Panik um sich beißt und jede noch so winzige Ressource verteidigt oder sich anfangs überhaupt nicht anfassen lässt? Mit kleineren Kindern im Haushalt? Ohne den Willen, daran zu arbeiten und zu trainieren? Nicht so leicht machbar, das sage ich ganz offen! Wie viele Menschen geben dann auf und der Hund wandert weiter. Welch trauriges Schicksal für einen Hund, der sowieso schon so viele Dinge erleben musste, die sehr unschön sind.

Doch auch einen Welpen bis ins erwachsene Alter zu begleiten, mit seiner pubertären Amnesie umzugehen, heißt Arbeit. Immer und fortwährend.

Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?Kind und Hund?

Mein Hund und Kinder? Fast nichts ängstigt ihn so sehr wie Kinder! Mein Hund und Kinder, leider ein absolutes No-Go. Meine Kinder sind glücklicherweise erwachsen. Wäre er in eine Familie mit kleinen Kindern vermittelt worden – puh! Da hätte sich eine Katastrophe angebahnt, bis hin zum Beißvorfall. Denn getestet wurde das in der Pflegestelle nicht. Ein trauriger Fall von Fehlvermittlung und mein Hund wäre ein Wanderpokal geworden. Traurige Vorstellung, nicht wahr?

Ebenso traurig, wie die Tatsache der nach Weihnachten (beliebig ersetzbar durch Ostern oder vor den Ferien bzw. geplanten längeren Urlauben…) ausgesetzten Hunde. Doch Hunde sind lebende und fühlende Wesen, die Zuneigung und Gemeinsamkeit brauchen – genauso wie wir Menschen, genauso wie Kinder!

Natürlich ist es schön, wenn Kinder mit Haustieren und hier insbesondere mit Hund/en aufwachsen können. Keine Frage!

Tut euch und euren Kindern bitte den Gefallen und legt keinen Hund unter den Weihnachtsbaum! Denkt gut darüber nach, ob und wann ein Hund in euer Leben / Familienleben passt und entscheidet dann!

 

Titelbild und Vektorgrafiken im Text von Pixabay.com / Fotos im Text: © by Stephanie Widmann von Aloa-Fotos / Restliche Fotos sind von mir.

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Der Weihnachts-Hund – wirklich eine gute Idee?