Ein falsches Wort, ein falscher Satz …

Ein falsches Wort, ein falscher Satz …

Da war es mal wieder!

Ich bin in einem Seminar - diesmal nicht vor den Teilnehmern, sondern selbst Teilnehmer und erlebe die Kommunikation zwischen Trainerin und TeilnehmerInnen. Ich habe das Gefühl, ich sehe von oben zu und kann voraussagen, was in etwa als nächstes geschehen wird. So ist das, wenn Du als Trainer selbst im Schnitt 150 Tage pro Jahr vor Deinen Teilnehmern stehst.

Und genau genommen gibt es zwei konkrete Situationen, bei denen es nahezu identisch ablief. Die letzte, dieses Jahr in einem Training mit Hunden und die andere, die ich Euch beschreibe, schon vor ein paar Jahren im Rahmen meiner eigenen Trainerweiterbildungen in meinem "Hauptberuf als Menschentrainer".

Um was geht es aber nun genau?

Ganz einfach und doch immer wieder so interessant - Kommunikation!

Seminarwochenende, erster Tag - früher Nachmittag

Die Trainerin erklärte kurz davor ein Modell zum Verständnis der Kommunikation. Eines der Axiome von Paul Watzlawick: "Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt!" Sie will später darauf weitergehende Ideen aufbauen, z.B. die "Vier Seiten einer Nachricht (Vier-Ohren-Modell)" von Friedmann Schulz von Thun.

Ein falsches Wort, ein falscher Satz …

Ich finde, das hatte sie sehr gut gemacht. Alle TeilnehmerInnen haben Vorkenntnisse unterschiedlicher Art und sie holt alle sehr souverän da ab, wo sie jeweils stehen. Alles was sie erzählt, beschreibt, darstellt gehört zum Feinsten, das ich bisher und danach an der Stelle gesehen habe. Ich mache mir viele Notizen, wie ich meine eigenen Unterlagen zu dem Thema verbessern kann, auf was ich achten muss, um meinen Teilnehmern das Thema noch besser vermitteln zu können. Weiterbildung für Trainer die sich wirklich auszahlt.

Und dann kommt ihr ein anderes Axiom von Paul Watzlawick in die Quere, völlig unbeabsichtigt und ohne Ankündigung. Einfach weil sie gerade so einen Lauf hat und unachtsam wird? Das Suppenkoma? Oder vielleicht ist aber auch ihr persönliches Verständnis im Umgang mit Menschen an der Stelle so ("ich Boss - Du nix", albere ich hier oft).

Sie will uns das vorangegangene Thema vertiefen lassen und kündigt die folgende Übung etwa mit diesen Worten an:

"Sie machen jetzt mal …"

Da war es mal wieder!

Für mich war klar, dass es jetzt gruppendynamische Effekte geben wird, die sie so nicht haben wollte. Die Frage war nur: Wer meiner geschätzten Mit-TeilnehmerInnen löst es aus. Was auslösen? Na - Verweigerung, Opposition oder wie auch immer man es nennen will. Es waren gleich mehrere, die sich nicht einfach was "befehlen lassen" wollten. Und wie zeigte sich das? Es wurde jedenfalls nicht über den Satz diskutiert (das wäre ja auch einfach zu lösen gewesen), sondern schlagartig änderten sich Körperhaltungen, wurde etwas angefangen zu tun, das nichts mit der Aufgabe zu tun hatte und ähnliches.

Ein falsches Wort, ein falscher Satz …

Die Trainerin merkte es nicht gleich. Nachdem sie die Aufgabe gestellt hatte (übrigens auch eine sehr gute Übung, zu der ich mir überlegt hatte, ob ich sie abgewandelt bei mir verwenden kann), war sie allerdings schon etwas irritiert, dass die Gruppe nicht so in die Arbeit einstieg, wie sie es vielleicht erwartet hatte.

Was war geschehen?

Alle TeilnehmerInnen haben gerne viel Geld für den Tag bezahlt. Sie haben sich darauf gefreut, sich selbst zu schärfen, sie wollten dazulernen. Alle sind Multiplikatoren, selbst Trainer oder wollen das neu oder vertiefend gelernte in ihr (Berufs-)Leben aufnehmen, anwenden, wiedergeben. Hochmotiviert sich weiterentwickeln. Sie sehen sich nicht als Untergebene. Und doch: Dieser kleine Satz "Sie machen jetzt mal …" hat genau das - zumindest bei einigen - ausgelöst.

Ein falsches Wort, ein falscher Satz …

Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind unterschiedlich, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht. Entscheidend ist, dass sich die jeweiligen Verhaltensweisen gegenseitig bedingen und ergänzen.

Bei der symmetrischen (oder auch spiegelbildlichen) Kommunikation / Interaktion befinden sich die Kommunizierenden auf der selben Ebene. Sie versuchen die Unterschiede auszugleichen, sich anzunähern und vielleicht auch zu einer Gleichheit zu kommen. Sie versuchen Rangunterschiede zu verringern.

"Sie machen jetzt mal …"

Ein Satz, wie er fast als Klischee durchgehen könnte. Das Klischee vom Boss und dem Untergebenen. Und genau so haben es wohl einige empfunden.

Hier spricht man dann auch von der komplementären Kommunikation. Sie ist das Gegenteil der symmetrischen Kommunikation. Hierbei übernimmt eine Person eine Machtposition, weil sie z.B. entsprechende Verantwortung trägt. Das ist per se nicht schlecht, wenn es in der richtigen Situation eingesetzt wird.

Ein falsches Wort, ein falscher Satz …

Aber in diesem Seminar war es nicht angebracht und einige TeilnehmerInnen hatten sehr feine Antennen. Ich glaube gar nicht, dass es den TeilnehmerInnen bewusst war, was mit ihnen gerade geschehen war. Die Reaktionen kamen nicht aus dem Kopf - viel tiefer!

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt!

Die Trainerin hatte ganz stark die Ebene unter dem Wasser angesprochen. Paul Watzlawick hat es in seinem "Eisberg-Modell" verdeutlicht.

Ein falsches Wort, ein falscher Satz …

Wenn wir miteinander kommunizieren, tun wir viel mehr, als Worte aussprechen und aufnehmen. Wir transportieren mit allem was wir sagen, einen ganzen Haufen zusätzlicher Botschaften mit, die vom Gegenüber aufgenommen und interpretiert werden. Um genau zu sein, sieht die Verteilung zwischen den sachlichen Inhalten, die wir weitergeben und dem, was an zusätzlichen, emotionalen Botschaften mitschwingt, wie ein Eisberg aus.

Das hatte sie uns ja vorher sehr schön erläutert.

Wie ging es weiter?

Die Übung wurde natürlich gemacht, aber das Ergebnis war für einige wohl nicht so intensiv, wie es hätte sein können. Die TeilnehmerInnen und die Trainerin waren leicht irritiert, haben es aber nicht thematisiert. Danach war Pause.

Und nach der Pause hat die Trainerin alle wieder sehr souverän abgeholt. Das Seminar insgesamt war ein sehr gutes. Alles gut?

Wochen später hat mich die Trainerin per E-Mail angesprochen (wir kennen uns schon länger) und gefragt, wie ich das damals empfunden hatte. Ob sie sich das eingebildet hat oder mir die Situation gar nicht aufgefallen wäre. Ich hatte mir mit der Beantwortung Zeit gelassen und sie dann auf den kleinen Satz und das passende Axiom von Paul Watzlawick aufmerksam gemacht. Nicht mehr - sie hat auch nicht weiter gefragt.


 

Ein falsches Wort, ein falscher Satz ...o


Was wäre ganz cool gewesen?

Nachdem die TeilnehmerInnen die Übung gemacht haben, das Axiom "Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär" mit ihnen besprechen und sie beschreiben lassen, wie sie sich gefühlt haben und wie sie sich jetzt fühlen, wo sie erkennen, was da gerade mit ihnen geschehen ist. Nur durch diesen einen einfachen Satz:

"Sie machen jetzt mal …"

Und im Hundetraining?

Alle Trainings, die ich bisher bei KollegInnen besucht habe (auch das oben erwähnte), waren inhaltlich für mich so, dass ich stets einen großen Gewinn hatte. Für mich mit meinem Hund immer und für mich als "Menschentrainer" auch oft im Sinne:

"Da war es mal wieder" - hier: Ein falsches Wort, ein falscher Satz …

 

Ein falsches Wort, ein falscher Satz …L

 

 

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Vom Schlechten des Guten

EIN FALSCHES WORT, EIN FALSCHER SATZ …