Social Walk – der Trainingsspaziergang

Social Walk – ein Trainingsspaziergang

Als Paolo zu uns kam, war ziemlich schnell klar, dass er so einigermaßen unsicher / ängstlich ist und auf unbekannte Menschen und Hunde erst einmal mit Fluchttendenzen reagiert. So haben wir uns auf die Suche gemacht und sind nach einer guten Weile auf das Angebot einer Hundetrainerin gestoßen, die Social Walks anbietet. Neben anderen Möglichkeiten des Trainings, unter anderem auch Mantrailing, ist das eine gute Gelegenheit für unseren Hund, langsam und in seinem Tempo (und dem der anderen TeilnehmerInnen) Bekanntschaft mit Hunden und deren Menschen zu machen.

Seit letztem Jahr waren wir also bei so einigen Social Walks mit dabei. Ob bei einem „kurzen“ Walk (ca. 90 Minuten) oder der einen oder anderen Social-Walk-Wanderung.

Mir gefällt dieses Prinzip des Trainingsspaziergangs und ich werde diese in Kürze auch selbst anbieten.

Social Walk – ein TrainingsspaziergangWenn der Spaziergang zum „Alptraum“ wird

Eva und ihr Lumpi gehen nur noch ungern direkt von der Wohnung weg spazieren. Lumpi wurde schon mehrfach von den Nachbarshunden angegriffen. Da er das nicht sonderlich lustig fand und Eva auch nicht, fahren sie jetzt immer mit dem Auto etwas weiter weg und gehen nur noch Wege, wo ihnen möglichst niemand begegnet.

Norbert und sein Egon ziehen fröhlich durch die Gegend. Egon läuft normalerweise immer ohne Leine, auch als Welpe schon. Deshalb findet Egon es ziemlich blöd, dass er jetzt, in der Brut- und Setzzeit immer an der Leine bleiben muss. Aber Norbert ist da sehr konsequent. Egon jedoch möchte weiterhin zu jedem Hund oder auch Menschen hin, im diesen zu begrüßen. Er kennt es ja nicht anders. Nur ist er jetzt groß und stark geworden und so zieht er Norbert hinter sich her, um sein Ziel zu erreichen.

Arletta und Gavalda haben sich in der Zwischenzeit auch einsamere Spazierwege gesucht. Gavalda ist ein Hund aus dem Tierschutz und recht ängstlich. Hunde und Menschen, die sie nicht kennt, möchte sie am liebsten gänzlich meiden und weicht dann aus. Doch die neuen Spazierstrecken, die Arletta gefunden hat, gefallen Gavalda sehr. Dort ist niemand – nur sie und ihr Frauli. Da fühlt sie sich sicher.

Simon hat Wolfi aus dem Tierheim geholt. Wolfi scheint alle und jeden zu hassen, denn begegnet ihm ein anderer Hund, hängt er wild kläffend in der Leine. Simon hat schon alles Mögliche versucht, doch es wird einfach nicht besser. Auch er geht nur ungern dort, wie viele andere Hunde und ihre Menschen unterwegs sind. Er ist schon ganz verzweifelt, weil er einfach nicht versteht, warum das so ist. Auf den einsamen Wegen ist Wolfi doch der bravste Hund überhaupt.

Hanne kann Leon nicht von der Leine lassen. Leon möchte nämlich jagen. Doch das soll er nicht. Da er auch ein sehr unsicherer Hund ist, sind Hundebegegnungen problematisch. Hanne trifft auf das Angebot eines Hundetrainers, der Trainingsspaziergänge anbietet. Sie beschließt, sich das mit Leon einmal anzusehen.

Social Walk – ein TrainingsspaziergangWer kann am Social Walk teilnehmen?

Ein Social Walk eignet sich für jedes Mensch-Hund-Team, ganz egal, welche „Problematiken“ das Hund-Halter-Gespann hat.

So unterschiedlich wie die Gründe für so manch ein Verhalten unserer Hunde sind, so unterschiedlich sind auch wir dazugehörigen Menschen. Benimmt sich unser Hund nicht so, wie wir uns das vielleicht vorgestellt haben, als wir ihn zu uns geholt haben, werden auch wir mit der Zeit unsicher im Umgang mit dem Hund. Und so manch ein Hund hat seine Vorgeschichte, die zu bestimmten, von ihm vermeintlich zum Erfolg führenden Verhaltensweisen führt. Das Ende vom Lied ist, wir suchen uns Wege und Plätze, wo fast niemand anderer ist, um in Ruhe unsere Spaziergänge absolvieren zu können.

Doch ganz ehrlich, Spaß ist was anderes! Sollte es nicht schön sein, mit unserem Hund raus zu gehen und mit ihm zusammen die Natur und Beschäftigung miteinander zu genießen? Immer mehr HundehalterInnen haben regelrecht Angst davor, rauszugehen. Und wenn, dann nur irgendwo ganz alleine und bitte, bitte, keine Begegnungen? Das kann doch nicht sein!

Social Walk – ein TrainingsspaziergangDer Sinn und Zweck eines Trainingsspaziergangs

Am Anfang des Social Walks verbleiben alle Hunde erst einmal im Auto. Wir dazugehörigen Menschen besprechen zusammen mit dem/r Trainer/in die Vorgehensweise. Wie viel Abstand benötigen die einzelnen Hundeindividuen? Was genau ist das Problem? Wie sieht es mit Unverträglichkeiten aus? Wie lang sind die Leinen und wieviel Abstand plus Leinenlänge muss zwischen den einzelnen Teams eingehalten werden? Sind alle Dinge besprochen, klären wir die Reihenfolge. Welcher Hund geht als erstes los, welcher folgt und wer bildet das Schlusslicht.

Im Laufe des Spaziergangs wechseln wir auch mal die Reihenfolge. Wir bauen zwischendrin kleine Übungen z.B. aus dem Begegnungstraining und andere Spielchen mit den Hunden ein. Diese werden so gestaltet, dass wir weiterhin die Abstände berücksichtigen können, die jedes einzelne Team benötigt. Leinenhandling, das Laufen an lockerer Leine, Hilfestellungen bei einzelnen Teams sind ebenso ein Bestandteil eines Social Walk wie kleine Pausen mit diversen Beschäftigungsmöglichkeiten, um das Erregungsniveau der Hunde zu senken

Anfangs sind die Hunde oft noch sehr aufgeregt. Im Laufe das Social Walks legt sich das jedoch meist. Oft ist es am Schluss möglich, dass einzelne Teams sogar schon relativ nah beieinander gehen können. Und am Ende des Spaziergangs packen wir Hund für Hund wieder ins Auto und treffen uns zur Nachbesprechung.

Social Walk – ein TrainingsspaziergangFazit

Die Hunde lernen im Laufe dieser Spaziergänge sehr viel. Sie lernen mit der Zeit, zusammen mit anderen, ihnen unbekannten Hunden, völlig unaufgeregt spazieren zu gehen. Nach und nach werden die Hunde tatsächlich immer entspannter. Nähe zu den anderen Mensch-Hund-Teams zuzulassen – anfangs fast nicht möglich – kommt immer öfter vor. Sozial unverträgliche oder unsichere Hunde gewinnen an Sicherheit.

Und auch wir Menschen lernen dabei, Konfliktsituationen immer besser zu bewältigen. Lernen, die Körpersprache unserer Hunde zu lesen und zu deuten. Lernen, rechtzeitig einzugreifen und umzulenken bei Begegnungen. So wird auch unser Umgang mit dem Hund immer sicherer.

Natürlich lassen sich nicht alle Konflikte nur mit Social Walks lösen. Gerade Themen wie Begegnungstrainings und andere Beschäftigungsmöglichkeiten helfen dabei, unsere Hunde immer besser zu verstehen und nicht mehr nur mit Managementmaßnahmen durchs Leben zu gehen.

Dranbleiben ist, so wie bei allem im Leben, die Devise, wenn man Erfolg haben möchte. Tägliches Üben gehört auch hier mit dazu!

Und doch ist der Social Walk eine wunderbare Gelegenheit, Gelerntes in einer Gruppe umzusetzen, die alle ähnliche Konflikte zu bewältigen hat. So hat jeder Verständnis für jeden und Rücksichtnahme aufeinander ist selbstverständlich.

 

Social Walk – ein TrainingsspaziergangL

 

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