Clickertraining macht Karriere…

Clickertraining macht Karriere

(Danke, liebe Karin Immler, für diesen schönen Titel) - Blogbeitrag von Helmut Tober-Matteo

Einer meiner liebsten Jobs ist eindeutig dann gegeben, wenn ich Methoden vermitteln kann. Ach ja, heute schreibe mal ich – Helmut – und der Anlass ist ein Erlebnis in meinem Beruf als selbstständiger Berater, Trainer, Coach für Menschen. Den gibt es nämlich auch, neben dem Hundetrainer. Neben stimmt auch nicht ganz, das ist bei mir schon der Hauptjob. Aber egal, zur Geschichte:

Der Auftrag

Ich habe den Auftrag, in einem intensiven Seminar (so wie ich es durchführe, ist es ein Training) Mitarbeiter der mittleren Führungsebene in einem großen Call-Center in München Grundlagen des Trainerdaseins zu vermitteln. Die Mitarbeiter befinden sich in einer Zwitterrolle zwischen Führungskraft („Sandwichposition“ mit enormen Leistungsvorgaben) und Trainer für ihre Mitarbeiter. Das ist ja schon sehr fraglich.

Worum geht es?

Die sechs Teilnehmer (eine Frau und fünf Männer) führen in verschiedenen Bereichen (und für unterschiedliche Kunden) jeweils eine Gruppe von 15 bis 20 Mitarbeitern. Alles „Autodidakten“, sowohl die Führungskräfte als auch die Mitarbeiter. Einer der Kunden des Call-Centers besteht darauf, dass diese Führungskräfte eine – aus meiner Sicht – rudimentäre Trainerausbildung vorweisen können. Dafür werde ich beauftragt.

Klassische Inhalte

Was steht im Auftrag? Wie funktioniert Lernen und Verhaltensänderung? Motivation – was ist das und wie kann ich motivieren? Welche Methoden sind empfehlenswert? Kommunikation und Konfliktmanagement. Konzeption eines Trainings, etc.
Könnte langweilig werden, wenn mein direkter Ansprechpartner mir nicht signalisieren würde, dass ich volle Freiheit in der Gestaltung habe.
Jepp – nehme ich gerne an.

Erster Trainingstag

Ja - der Anfang ist klassisch. Es müssen Grundlagen gelegt werden, damit darauf aufgebaut werden kann. Ich verwende keine PowerPoint-Folien, dafür fordere ich immer wieder: „What’s in Your Brain?“ Die TeilnehmerInnen bringen doch alle schon Vorkenntnisse mit, an die will ich anknüpfen. Auf dem Tisch liegt ein Flip-Chart-Blatt mit der Überschrift: „Erkannte Methoden am 1. Tag!“, das die Teilnehmer selbstständig ausfüllen werden.

Sie bringen ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit und eine große Portion Neugierde. Das macht es für mich einfacher. Später erfahre ich, dass alle das Zertifikat für ihre „eigene Karriere“ benötigen.

Das ausgegebene Skript hat ca. 70 Seiten, aber die Teilnehmer haben gar keine Zeit, darin zu blättern. Am Ende des Tages fragt ein Teilnehmer, ob es Sinn macht, abends darin zu lesen und auch voraus zu lesen oder ob er sich dann an den folgenden Tagen langweilen wird. Am nächsten Tag wird er sagen: Er war viel zu platt – ist eingeschlafen, bevor er zum Lesen gekommen ist.

In der Feed-Back-Runde des ersten Tages fallen Sätze, wie: „… eines, der drei besten Trainings, an denen ich bisher teilgenommen habe.“

Zum Verständnis: Ich war in meinem Leben noch nie in einem solchen Call-Center, aber ich habe eine Idee, auf die ich hinarbeite.

Zweiter Trainingstag

Den Vormittag benötige ich noch für die restlichen Basics und kündige schon an, dass ich für den Nachmittag ein paar besondere „Schmankerl“ geplant habe.

Wir sind an dem Punkt (und das ist wie immer ein schwieriger Punkt) zwischen sehen, hören, wahrnehmen einerseits und interpretieren andererseits zu unterscheiden. Und vor Allem, um Wege zu finden, das zu trainieren.

Ich zeige Bilder von Hunden in verschiedenen Situationen. Eine Rasse, die eher wenige Menschen kennen. Ich will wenig „Wiedererkennungswert“ sondern Hunde, deren Körpersprache nicht gleich jedem bekannt ist.

Die Teilnehmer sollen beschreiben und stürzen sich auf ihre Aufgabe. Ja – im Ergebnis machen sie es sogar ziemlich gut, der Anteil an Interpretation ist unter 50%. Wir besprechen alle ihre Ideen, ich kann sie in vielem bestärken. Wir besprechen auch kurz die Interpretationen der Teilnehmer und meine Interpretation (naja, ich hatte zu der Situation mehrere Bilder und auch die Erzählung der Besitzerin der beiden Hunde, was wirklich „ablief“).

Und - ich war ziemlich erstaunt – wir schaffen den Transfer von bestimmten Ansätzen in der Körpersprache der Hunde zu den Ausdrucksweisen in der Körpersprache der Mitarbeiter. Jepp, ich bin mit meinen Teilnehmern in eine andere Ebene des Trainings vorgestoßen.

Kurz danach – wir verbinden das bisherige mit den Möglichkeiten der diversen Kommunikationsansätze –  bekomme ich mein Stichwort: „Kann ich meine Mitarbeiter zu viel loben?“

Ein kurzer Stegreifvortrag über positive Verstärkung und ich verbinde alles zusätzlich mit dem Ansatz, des richtigen Zeitpunkts. Wie können wir Timing üben? Zufall?

Clickertraining macht Karriere

Ich habe zwei Clicker dabei. Wir gehen auf die Dachterrasse. Da sitzen auch andere Mitarbeiter und deren Blicke werden ziemlich neugierig. Nachdem ich die Grundprinzipien des Clickerns erklärt habe, geht es los. Jeder darf mal clickern und damit führen und jeder darf mal in die Rolle des „geclickerten Mitarbeiters“ schlüpfen. Hautnah erleben – beide Seiten.

Die anderen Mitarbeiter werden eingebunden. Die Aufgaben bestehen nicht nur darin, irgendwie von A nach B zu laufen. Nein, auch so Gemeinheiten wie: Laufe um den Tisch und schüttele dann mit Deiner linken Hand die linke Hand von Willi, deinem Chef, der da am Tisch sitzt und interessiert zusieht. Es klappt.

Nach der Manöverkritik kommen ganz viele ernsthafte und konkrete Fragen, wie sie das nun in Zukunft in ihre Führungsarbeit einbauen können. Wir loten Grenzen aus und überlegen, was noch alles benötigt wird. Vielleicht sind hier gerade Keimzellen eines Umdenkens entstanden.

Ich habe uns heute am Ende des Tages die Feedbackrunde erspart, mag nicht professionell sein, ist mir jedoch an dieser Stelle egal. Das Feedback hatte den Raum schon längst ausgefüllt.

Managementtraining by Clicker – finde ich cool!

Was mache ich morgen? Ich werde Ihnen viel über gruppendynamische Beziehungen vermitteln. Das war ihr Wunsch. Ich werde meine Kiste mit Figuren mitnehmen: Hunde, Katzen und alles Mögliche andere - reale Figuren und Phantasiefiguren. Davon wissen sie nichts. Mal sehen, was wir damit alles anstellen können.

Ich freue mich schon darauf …

Dritter Trainingstag

Die Wünsche an den letzten Tag sind viel mehr als wir in der Zeit gemeinsam bearbeiten können. Wir machen uns an die verbleibenden Themen. Gruppen und Teams liegen im Fokus. Fragen zur Führung einzelner Mitarbeiter werden erläutert: Wie fördere ich den informellen Gruppenführer? Wie bremse ich den Intriganten? Und vieles mehr.

Und meine Figuren kommen dann auch noch zum Einsatz. Wir stellen eine Gruppe auf und ich zeige die Möglichkeiten dieser Methode auf.

Wir reißen noch einige weitere Kommunikationsthemen an. Mehr geht in der Zeit einfach nicht.

Nachtrag

Managementtraining by Clicker – finde ich immer noch cool!

Die Teilnehmer auch. Die Hälfte von ihnen hat mich auf Facebook geliked.

Drei Tage Training sind zu Ende, ich bin platt und glücklich.

Das war der Anfang.

Hundetraining meets Managementtraining.

Da geht noch viel mehr.

Clickertraining macht Karriere

3 thoughts on “Clickertraining macht Karriere…”

  1. Super Helmut, das hört sich nach einem gelungenen Crossover an! So stelle ich mir vernetztes Denken vor. Ich bin sicher, dass ihr viel Spaß dabei hattet und sich nachhaltige Erkenntnisse entwickeln konnten.
    Hundetrainer sind halt doch in Wirklichkeit Menschentrainer :). Zumindest die guten!
    Herzliche Grüße
    Karin

    1. Liebe Karin, ich danke Dir für das Lob.
      Crossover stimmt schon, aber neues entsteht eben nicht, wenn man immer das selbe macht. „Das Ändern leben“ ist schon eine feine Sache.
      Liebe Grüße, Helmut

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