Ich muss mich trennen – von meinem Hund!

Ich muss mich trennen – von meinem Hund!

Ich muss mich trennen – von meinem Hund! Es zerreißt mich schier innerlich. Niemals hätte ich gedacht, dass es soweit kommt, denn hätte ich das vorher gewusst, ich hätte mir keinen Hund geholt! Alles war so gut. Wir sind ein so wunderbares Team geworden mit der Zeit. Doch jetzt? Manchmal kann ich ihn kaum noch ansehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich ihm nicht mehr das sein kann, was ich ihm versprochen habe. Ständig muss ich weinen. Mache mir so viele Gedanken. Und wirklich, ich habe alles, absolut alles versucht und überlegt und durchdacht. Aber es geht nicht mehr.

Nach der Scheidung kann ich die Wohnung nicht mehr halten. Ich muss mir eine andere Bleibe suchen, doch niemand, kein Vermieter möchte jemanden nehmen, der einen Hund hat. Was soll ich nur tun? Ich muss hier aber ausziehen. Finanziell stehe ich auch schlecht da. Kein Geld. Und wenn ich Vollzeit arbeite, ist mein Hund so viele Stunden alleine. Es findet sich niemand, der mit ihm zwischendurch rausgehen kann oder ihn tagsüber nehmen kann. Alle, wirklich alle, habe ich gefragt. Doch keiner kann oder will mir helfen. Eine Hundetagesstätte oder einen Gassiservice kann ich mir nicht leisten.

Ich bin völlig allein. Ich zerbreche daran. Mir bleibt nichts anderes mehr übrig, ich muss eine neue Familie für meinen Hund suchen. Eine, in der er es guthat. Eine, die ihn auch behält, bis er alt ist. Finde ich so jemanden? Ich weiß es nicht. Und das, obwohl ich mich damals monatelang damit auseinandergesetzt habe, was es bedeuten kann, einem Hund ein Zuhause zu geben. Eine Checkliste hat mir dabei geholfen, jeden einzelnen Punkt zu überdenken und zu entscheiden – passt es oder passt es nicht. Letztendlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ein Hund durchaus in mein Leben passt und ich alle Eventualitäten bedacht habe.

Und jetzt? Meine Welt bricht zusammen. Ich bin traurig, weine. Denke ständig nach, ob es nicht doch irgendwie geht. Aber so viel ich auch nachdenke und versuche, eine Lösung zu finden, es ändert nichts daran. Das wollte ich nie und habe nicht gedacht, dass mir das passieren kann. Was mache ich denn nun?

Hilfe über soziale Medien?

Die Emotionen kochen über und ein Mensch weiß sich nicht mehr weiterzuhelfen. Er kann nichts mehr daran ändern. Es steht fest, dass dieser Mensch für seinen Hund ein neues Zuhause suchen muss. Also wagt er irgendwann einen Post in einer Facebook-Hundegruppe, in der er sich ansonsten durchaus wohlfühlt und hofft auf Hilfe.

Weit gefehlt, denn er erntet einen Shitstorm sondergleichen. Man betitelt ihn als unfähig, andere würden niemals ihren Hund abgeben, ganz egal warum. Das sind noch die harmlosesten Beschimpfungen, die dieser Mensch da lesen darf. Von Hilfe kann hier nicht die Rede sein.

Und doch gibt es sie. Menschen mit Empathie. Menschen, die einem helfen wollen und durchaus nützliche Tipps geben, wo man sich hinwenden und wer vielleicht noch helfen kann. Es gibt auch hier Gruppen, die helfen, einen neuen Platz für den Hund zu finden. Einen guten Platz. Denn das ist es ja, was man sich wünscht, wenn dieser schier unvorstellbare Fall eintritt.

Und auch, wenn so manch einer sich überhaupt nicht vorstellen kann, in solch eine Situation zu geraten, so kann es doch immer passieren. Dann braucht es keine Beschimpfungen, sondern Unterstützung, egal welche Gründe dieser Entscheidung zugrunde liegen.

Auch ein Hundetrainer kann hier beratend und helfend zur Seite stehen. Unterstützen bei der Vermittlung. Ebenso gibt es bei der Vermittlung Hilfe von dem einen oder anderen Tierheim.

Ich muss mich trennen – von meinem Hund!Es gibt keine Gründe, seinen Hund abzugeben? Doch!

Gründe dafür gibt es viele und sie sind so unterschiedlich, wie wir Menschen nun einmal sind. Darf man denn jemanden verurteilen, der seinen Hund abgibt, nur weil man die Gründe dafür nicht versteht oder auch nicht kennt?

Die Lebensumstände können sich extrem ändern

Ich habe mich getrennt oder mein Lebenspartner ist gestorben. Nun muss ich mir vielleicht eine andere, günstigere Wohnung suchen und unter Umständen länger arbeiten oder gar einen neuen Job suchen. Was passiert nun mit dem Hund, wenn ich kein Netzwerk habe, das die Betreuung gewährleisten kann, während ich arbeiten gehe? Glücklich sind die, die es trotzdem schaffen. Aber für viele Menschen bricht hier sowieso erst einmal eine Welt zusammen und alle Umstände ändern sich.

Ein Umzug in eine neue Wohnung steht an. Es ist heutzutage sowieso schon sehr schwierig, eine gute und bezahlbare Wohnung zu finden. Habe ich dann noch einen Hund, kann sich die Suche schon sehr lange hinziehen. Habe ich die Zeit dazu, mich umzusehen und so lange zu suchen, bis ich eine Wohnung gefunden habe, in der auch Haustiere, speziell Hunde erlaubt sind, dann ist ja alles gut. Was aber, wenn nicht? Wenn ich schnell eine neue Wohnung finden muss? Aus welchen Gründen auch immer!

Oder ein neuer Job mit neuen Arbeitszeiten, der vielleicht auch noch einen weiteren Fahrweg mit sich bringt. Und ich kann meinen Hund nicht mitnehmen – entweder, weil Hunde dort nicht erlaubt sind oder mein Job es einfach nicht zulässt und die Suche nach einer Tagesbetreuung gestaltet sich schwierig.

Und schon stehe ich vor dem Problem, darüber nachdenken zu müssen, dass ich für meinen Hund unter Umständen ein neues Zuhause finden muss. Ich bin mir sicher, die meisten Menschen suchen nach Möglichkeiten (wie z.B. einer Hundetagesstätte oder einem Hundesitter, Nachbarn, Familie), bevor sie sich letztendlich schweren Herzens dazu entschließen, dem Hund ein neues Zuhause zu suchen.

Jemand im gemeinsamen Haushalt entwickelt eine starke Allergie

Schön wäre es, wenn ich schon vor der Anschaffung eines Hundes in Erfahrung bringen kann, ob jemand in der Familie allergisch auf Tierhaare reagiert. Doch immer ist das nicht möglich und so manches Mal entwickelt sich nach vielen Jahren eine Allergie. Was, wenn nichts hilft und die Allergie im schlimmsten Fall tatsächlich so ausprägt ist, dass ich über eine Abgabe nachdenken muss?

Auch hier, denke ich, wird jeder alles daransetzen, eine Lösung zu finden. Die Allergie behandeln zu lassen, insofern es möglich ist, oder andere vorbeugende Maßnahmen zu unternehmen. Zum Beispiel den Hund nicht mehr im Haus oder der Wohnung zu bürsten, Teppiche entfernen, Böden so häufig wie möglich feucht zu wischen und den Hund aus den Zimmern zu verbannen, in denen geschlafen wird. Doch manches Mal wird nichts helfen und die Entscheidung zur Abgabe des geliebten Haustieres muss getroffen werden.

Jemand wird schwer krank oder stirbt

Schätzen wir uns glücklich, wenn wir gesund sind und hoffen, dass wir es bleiben. Aber gegen Krankheit ist niemand von uns gefeit. Das ist für alle Menschen wohl der Grund, der am meisten akzeptiert wird. Nicht immer ist es möglich, dass jemand aus der Familie den Hund nehmen kann. Und schon sucht der Hund ein neues Zuhause. Eine für alle Beteiligten sehr traurige Situation – in jeder Hinsicht.

Der Hund stellt eine Gefahr dar

Manchmal, häufiger als man so denkt, wird jemand über den Charakter des Hundes nicht richtig informiert – vorsichtig ausgedrückt. Dazu kommt dann vielleicht noch falsches Handling, wenig Wissen über Hundeverhalten und der Hund wird zur Gefahr für die Menschen, die ihn aufgenommen haben.

Ein andermal stellt sich der Charakter eines Hundes anfangs völlig anders dar und man rechnet einfach nicht mit aggressivem Verhalten. Und so mancher Hund/Tierschutzhund entpuppt sich als kleines oder großes „Überraschungsei“. Usw.

Ja, ich kann mit dem Hund arbeiten, mir einen Trainer suchen und mit viel Geduld und Ausdauer trainieren. Was aber, wenn ich trotz Unterstützung und intensivem Training damit völlig überfordert bin? Was, wenn mir meine Umwelt so einen Druck von außen macht, dass ich dem nicht mehr standhalten kann? Dann muss ich mir wohl überlegen – zum Wohle der Familie und auch zum Wohle des Hundes – jemanden zu suchen, der damit mehr Erfahrung hat und dem Hund wirklich helfen kann.

Überforderung mit dem Hund

Ob ich meinen Hund nun vom Züchter geholt habe oder vom Tierschutz – jeder Hund kann Verhaltensweisen an den Tag legen, die so manchen Hundehalter überfordern können. Jeder Mensch ist anders und für jeden sind auch andere Dinge machbar oder eben nicht.

Bei verhaltensoriginellen Hunden ist durchaus Durchhaltevermögen angesagt. Das hat aber nicht jeder und kann auch nicht jeder leisten. Denn es ist anstrengend.

Das erleben wir schließlich auch mit unserem Hund. Aufgeben ist für mich / uns keine Option. War es von Anfang an nicht. Und doch gab es auch bei uns anfangs immer wieder Zweifel und auch Verzweiflung. Wir haben uns Hilfe geholt und trainieren mit unserem Hund. Alles braucht seine Zeit.

Trotzdem kann ich verstehen, wenn jemand aufgibt. Kein Durchhaltevermögen aufbringen kann.

Die Finanzen.

Obwohl ich alles durchdacht habe, auch die finanzielle Seite, kann es mir passieren, dass völlig unerwartete Kosten auch mich zukommen. Der Hund wird plötzlich krank, hat einen Unfall und muss operiert werden, entwickelt eine Allergie. Dazu kommt vielleicht noch ein finanzieller Engpass. Jetzt kann ich nur hoffen, dass ich irgendwoher (Familie, Freunde…) Unterstützung bekomme und dass die Zeit des Finanzeinbruchs nur von kurzer Dauer ist. Doch was, wenn dem nicht so ist? Was, wenn ich es mir nicht mehr leisten kann?

In größeren Städten finden sich Einrichtungen wie die Tiertafel (hier findet ihr einen Bericht darüber), die ich bei finanziellem Notstand aufsuchen kann. Manch ein Tierarzt bietet in einer Notlage eine Behandlung für ein geringeres Honorar oder gar unentgeltlich an. Weitere interessante Infos gibt es hier: Hund und Hartz IV, Tierarzthilfe für Bedürftige!

Die unüberlegte Anschaffung

Auch das passiert. Der Welpe ist ja sooo süß und niedlich! Der Hund aus dem Ausland braucht ganz schnell einen Platz. Ich neige nicht dazu, mir vorher allzu viele Gedanken zu machen, handle oft unüberlegt, lasse mich überreden usw. Das und mehr kann ein Grund für die unüberlegte Anschaffung eines Hundes sein.

Ein Hund macht Arbeit. Wie jedes Haustier, egal ob groß oder klein, Hund oder Katze, Maus oder Meerschweinchen. Darüber sollte sich jeder im Klaren sein, auch wenn sich im Nachhinein immer Dinge herausstellen können, die man einfach nicht bedenken konnte. Eine Überforderung kann schnell eintreten. Manch einer versucht es trotzdem und behält das Tier, setzt sich mit allem dann halt im Nachhinein auseinander und hält durch. Andere schaffen das nicht.

Das ist nicht schön, und doch führt es zur Abgabe eines Hundes. Ich kann hier nur hoffen, dass der Hund wenigstens im Tierheim abgegeben wird oder dass man sich die Zeit nimmt und ihm ein schönes, neues Zuhause sucht und ihn nicht einfach aussetzt. Denn auch das kommt vor. Leider.

Unverträglichkeiten mit schon vorhandenen Haustieren

In der Hoffnung, dass unsere Katzen und unser Hund sich vertragen – denn sowohl unsere Katzen kennen Hunde (dachten wir, sie kennen aber nur „winzige“ Hunde) als auch unser Hund lebte vorher mit Katzen in einem Haushalt in seinen Pflegestellen (aber mit Katzen, die keine Angst vor Hunden hatten!) – haben wir unseren Hund ausgesucht und zu uns geholt. Dann holte uns die Wirklichkeit ein. Tja, hier sind dann Managementmaßnahmen und Training angesagt.

Erst wenn das alles nicht hilft und jeder Versuch in einer Situation endet, die absolut nicht tragbar ist, muss man tatsächlich neu überlegen. Und leider geschieht auch das. Alles wurde versucht und nichts hat geholfen. Bevor irgendeines der nicht verträglichen Haustiere weiter darunter leiden muss, hat man oft keine andere Wahl mehr und muss eines der Tiere abgeben.

Nachwuchs steht an

Hier ändern sich die Lebensumstände für alle Beteiligten gravierend. Was eigentlich ein Grund zur Freude sein sollte, kann sich zum Alptraum entwickeln. Das sich oft verändernde Verhalten des Hundes verunsichert viele und sie beginnen zu überlegen, ob das mit dem Baby und dem Hund gutgehen wird. Da kommt schon mal der Gedanke auf, den Hund dann lieber abzugeben.

Mein Hund und Kinder sind nicht unbedingt kompatibel. Meine Kinder sind erwachsen, so dass dieses Thema vorerst nicht für uns im Raum steht. Sollten jedoch meine Kinder Babys bekommen, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Für mich ist es unabdingbar, um Baby und Hund zu schützen, dass wir uns in diesem Fall Hilfe holen werden. Da kann ich noch so viel wissen über Hundeverhalten, ein Blick von außen ist in dieser Situation immer besser, weil emotional unbeteiligter.

Hunde kann man schon frühzeitig mit der veränderten Situation vertraut machen. Entweder holt man also gleich einen guten Trainer ins Haus, der einem dabei helfen kann oder man liest sich das Wissen selbst an. Und ist das Baby mal da, darf man Kind und Hund nicht aus den Augen bzw. allein in einem Zimmer lassen. Regeln für Kind und Hund sind wichtig. Und ich bringe meinem Kind den richtigen Umgang mit dem Hund von Anfang an bei, umgekehrt natürlich auch meinem Hund. Hier kann ich wunderbar als Vorbild agieren.

Doch wenn auch hier alles Bemühen nicht zum Erfolg führt, muss ich mir Gedanken machen, was mit dem Hund nun passieren soll. Als letzten Ausweg muss ich ihn vielleicht doch weggeben.

Ich muss mich trennen – von meinem Hund!

Wer hilft mir?

Ich denke, jeder oder doch zumindest fast jeder wird im Idealfall (ja, es gibt auch leider Ausnahmen!) alles daransetzen, seinen Hund behalten zu können. Wird viele Überlegungen anstellen und mit vielen Menschen sprechen, wie es denn am besten zu bewerkstelligen ist. Wer helfen und unterstützen kann. Wer Zeit hat, den Hund teilweise zu nehmen, Gassi zu führen. Oder wer helfen kann, mit bestimmten Verhaltensweisen besser klar zu kommen, zu trainieren.

Freunde, Verwandte, Bekannte, Hundetrainer, Hundesitter, Gassigeher, Hundetagesstätten sind eine Möglichkeit, eine (stundenweise) Tagesbetreuung gewährleisten zu können. Hundetrainer sind die Ansprechpartner für ein Training, egal, welche Problematik vorliegt.

Erst wenn das alles nicht greift kommt es zur Vermittlung. Auch hier kann man sich Hilfe holen.

Wer hilft mir bei der Vermittlung?

Habe ich nun alles versucht, um meinen Hund bei mir zu behalten und nichts davon funktioniert, ist die Abgabe oft eine beschlossene Sache.

Freunde, Bekannte und Verwandtschaft, Arbeitskollegen befragen – vielleicht kennt jemand jemanden… – ist eine Möglichkeit, eine neue Familie für den Hund zu finden.

Gleichzeitig können Hundetrainer, einige Tierschutzvereine, private Tierschützer oder auch Tierheime bei der Vermittlung eines Hundes behilflich sein. Auch seriöse Züchter oder die Tierschutzorganisationen, von denen man den Hund hat, nehmen ihre Hunde lieber wieder zurück, als sie ausgesetzt oder im Tierheim zu wissen.

In Facebook gibt es entsprechende Gruppen, wo man eine Vermittlungsanzeige hineinstellen kann und wo durchaus wertschätzend mit dem Menschen umgegangen wird, der seinen Hund abgeben muss.

Ich persönlich rate von Anzeigen in den diversen Internet-Verkaufsportalen ab. Die Anfragen sind meist mehr als unseriös. Entscheidet man sich dennoch dafür, sollte die Schutzgebühr auf jeden Fall so hoch sein, dass es unseriöse Käufer / Tierhändler abschreckt.

Was schreibe ich in meine Anzeige hinein?

Alle relevanten Informationen zum Hund gehören da auf jeden Fall hinein.

  • Alter
  • Geschlecht
  • Gewicht
  • Größe
  • Fellfarbe und -länge
  • Ausbildungsstand
  • Impfungen
  • Krankheiten
  • eventuelle Besonderheiten im Aussehen oder Verhalten (Ängstlichkeit, Hibbeligkeit, etc.)

Potentielle Interessenten

Melden sich dann Interessenten bei mir, lerne ich diese erst einmal kennen. Sinnvoll ist sicherlich auch ein Vorbesuch, um mir das eventuelle neue Zuhause meines Hundes anzusehen, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es meinem Hund dort gutgehen wird. Schaffe ich das nicht alleine, kann ich immer jemanden bitten, der mir nahesteht und meinen Hund sehr gut kennt, mich zu begleiten oder, wenn es zu schmerzlich ist, das zu übernehmen. Ein gemeinsamer Spaziergang mit dem möglichen neuen Halter zeigt mir auch, wie dieser mit meinem Hund umgeht und wie sich mein Hund diesem Menschen gegenüber verhält.

Familie gefunden?

Habe ich eine Familie gefunden, bei der ich ein gutes, besser sehr gutes, Gefühl habe, gebe ich dem neuen Halter alle Papiere (inkl. EU-Heimtierpass) mit, die ich habe. Zusätzlich wird es einen Vertrag geben. Und ich muss mir im Klaren darüber sein, dass der Käufer des Hundes dann zu seinem Besitzer wird und somit alle Rechte an dem Hund erhält. Ich habe dann kein Anrecht mehr auf den Hund. Im Vertrag kann ich ein Vorkaufsrecht vereinbaren für den Fall, dass auch der neue Halter in eine Situation kommt, den Hund nicht mehr behalten zu können.

Ich informiere den neuen Halter über

  • Eigenheiten
  • Lebensgewohnheiten
  • Ruhebedürfnis
  • Schlafgewohnheiten
  • Fressgewohnheiten
  • welches Futter ich gegeben habe und warum
  • Futterunverträglichkeiten
  • Krankheiten
  • Pflege (Fellpflege wie bürsten, Krallen schneiden etc.)
  • Eigenheiten des Hundes

Sowohl bei meiner Anzeige als auch im persönlichen Gespräch bin ich ehrlich. Im umgekehrten Fall bin ich schließlich auch froh über Offenheit und Ehrlichkeit über alles, was den Hund betrifft. Ich kann auch alles noch zusätzlich schriftlich auflisten und dem Vertrag beilegen. Zudem gebe ich dem neuen Halter alles mit – vom Hundebettchen über Spielzeug bis hin zu Geschirr, Halsband und Leine. So hat mein Hund auch im neuen Zuhause noch die gewohnten Gerüche.

Ist dann der Tag des Abschieds gekommen, versuche ich auf jeden Fall, meine Emotionen im Zaum zu halten, um es meinem Hund nicht allzu schwer zu machen. Auch hier kann ich Hilfe von einem Menschen in Anspruch nehmen, der mir nahesteht.

Vielleicht kann dieser Mensch auch, falls ich das selbst nicht schaffe, für den Anfang ein wenig in Kontakt mit dem neuen Halter bleiben, damit ich erfahre, ob mein Hund sich langsam einlebt und es ihm gut geht dort, wo er jetzt ist. Besuche, um meinen Hund zu sehen, sind nur kontraproduktiv. Das würde der Hund nicht verstehen. Häufig leben sich Hunde schnell ein, auch wenn es sicherlich seine Zeit braucht. Und geht es ihnen gut, so fühlen sie sich auch in der neuen Umgebung wohl.

Und, ich möchte es an dieser Stelle auch noch einmal erwähnen, besser geht man diesen Weg, als das Tier auszusetzen. Die allerletzte Konsequenz wäre eine anonyme Abgabe in einem Tierheim, falls dieses so etwas anbietet.

Verurteile ich das, wenn jemand seinen Hund abgeben möchte/muss?

Nein, ich verurteile das nicht. Das steht mir auch nicht zu. Kommt jemand mit der Bitte auf mich zu, ihm zu helfen, werde ich das nach bestem Wissen und Gewissen tun. Gespräche darüber, ob doch noch eine Möglichkeit besteht, den Hund zu behalten, wird es geben. Wenn ich merke, dass noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden oder wir, mein Kunde und ich, gemeinsam feststellen, dass z.B. eventuelle Verhaltensprobleme mit Training, Zeit und Durchhaltevermögen gelöst werden können. Vielleicht tut sich doch noch die Möglichkeit einer stundenweisen Unterbringung auf.

Doch auch bei der Vermittlung des Hundes werde ich behilflich sein. Verständnis haben. Aber eben nicht urteilen. Wir stecken nicht drin in diesem Menschen. Wissen nicht, wie sein Leben verlaufen ist. Wissen nicht, was er aushalten kann und was nicht. Das lässt sich nur in einem offenen Gespräch herausfinden, bei dem man auch gut hinhören muss. Doch die Entscheidung, die können wir nicht für andere Menschen treffen. Und mit Verurteilungen ist niemandem gedient. Weder dem Menschen noch seinem Hund.

Denn wir wissen nie, in welche Situation wir einmal geraten und welche Entscheidungen wir dann treffen müssen.

8 thoughts on “Ich muss mich trennen – von meinem Hund!”

  1. Liebe Antonietta,
    vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel. Er hilft Menschen in diesen schwierigen Momenten nicht nur durch Information, sondern auch durch eine große Portion Verständnis und Mitgefühl. Ich werde mich an den Artikel erinnern und ihn gerne weiterempfehlen.
    Viele Grüße
    Anna Meißner

  2. Ein ganz toller Artikel. Danke schön. Dein Einverständnis vorausgesetzt habe ich den Artikel in meine Hundegruppe geteilt. Wir hatten tatsächlich so einen Fall und der ist sehr controvers diskutiert worden. Ich könnte mir denken, dass das sehr hilfreich ist.

    1. Liebe Inge, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Selbstverständlich kannst du den Beitrag teilen und es würde mich sehr freuen, wenn er jemandem auch hilft.
      Liebe Grüße, Antonietta

  3. Wir hatten diese schmerzhafte Situation im Jahr 1975 und wir denken heute immer noch schmerzerfüllt an „unsere Tat“, denn wir mussten den Rüden abgeben. Unser Sohn kam zur Welt und unser Rüde überwand ein 150 cm hohes Türschutzgitter auf seinen kurzen Beinen(als Basset) ohne Schwierigkeiten.Wir hatten damals den Eindruck das er vor Eifersucht auf meine Frau „los wollte“ und haben sofort durch “ Weggeben“ reagiert.Er kam in gute Hände, lebte noch sehr lange und wir sahen ihn oft aus der Ferne.Wir waren damals jung, unerfahren und ängstlich und ob wir heute wieder so reagieren würden wage ich zu bezweifeln. Die Tatsache selbst ist für uns, auch nach so vielen Jahren, immer noch schwer zu ertragen.

    1. Lieber Burkhard, das kann ich verstehen, dass das sehr schmerzlich für euch war! Damals war aber auch eine andere Zeit und viele Dinge wusste man einfach noch nicht. So kommen solche Entscheidungen zustande und man leidet sehr darunter. Zumindest habt ihr Gewissheit, dass es ihm in der neuen Familie gut ging und das ist trotz aller Traurigkeit doch auch wieder etwas Gutes! LG Antonietta

  4. Wow! Das ist total super geschrieben! Und passt aktuell zu meinem „Thema“ problem ist so ein schlimmes wort. Unser Hund wird von tag zu tag wilder und fängt an zu schnappen.. obwohl wir trainieren, ihn auslaste.. ziel war es mal ihn mit auf meine arbeit zu nehmen.. das wird wohl erstmal nicht möglich sein..
    jetzt stehen wir vor der frage: hund abgeben (was mir das herz brechen würde) oder den hund in ein trainingslager stecken für mehrere monat was aber gelinde ausgedrückt schweine teuer ist..
    Versagensängste stehen derzeit ganz groß im raum.. zumal ich selber im tierschutz aktiv bin und weiß was mit meinem hund passieren könnte, wenn er an weitere unerfahrene kommt..
    Der Beitrag ist sehr gut und wichtig! Vorallem aber sehr ehrlich..

    1. Liebe Momo, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Das klingt ja tatsächlich nach einem schwerwiegenden „Problem“ mit eurem Hund. An eurer Stelle würde ich dringend empfehlen, das Training mit eurem Hund zu überdenken und zu schauen, wie es besser laufen könnte. Wie trainiert ihr? Habt ihr wirklich einen guten Trainer zur Hand? Von einem Trainingslager würde ich persönlich jedoch abraten. Ich hoffe sehr, ihr könnt alles zum Guten für euch und euren Hund lösen! Wenn ihr noch Hilfe braucht, könnt ihr euch gerne auch an mich wenden.
      Viele Grüße, Antonietta

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