Meine Erfahrungen mit Straßenhunden in Kroatien, Ungarn und in der Türkei

Meine Erfahrungen mit Straßenhunden in Kroatien, Ungarn und in der Türkei

Ein Gastbeitrag von Gökcen Könü

Ich freue mich über den Gastbeitrag von Gökcen Könü, die viele Jahre aktiv im Tierschutz tätig war und heute auf meinem Blog darüber berichtet. Sie hat Erfahrungen mit Straßenhunden in Kroatien, Ungarn und in ihrem Heimatland, der Türkei, gesammelt und gewährt uns heute einen kurzen Einblick in die Gegebenheiten in diesen Ländern, so wie sie sie kennt und erlebt hat...

 

Meine Erfahrungen mit Straßenhunden in Kroatien, Ungarn und in der Türkei

Kroatien

Straßenhunde gibt es zumindest in der Umgebung von Zagreb überhaupt nicht. Wie auch in Deutschland werden herrenlose Hunde in Tierheime gebracht. Meist ausgesetzte Hunde oder unerwünschte Welpen, die über den Zaun von Tierheimen geworfen werden.

Der Unterschied ist, dass in Kroatien die Hunde, wenn sie nicht adoptiert werden, nach 90 Tagen getötet werden. Deshalb nehmen private Tierschützer so viele Hunde auf, wie es nur geht. Auch gibt es vereinzelt Abkommen mit den Gemeinden, die Non-Kill-Shelter unterstützen. Die Unterstützung umfasst meist die Futter- und medizinische Versorgung für eine bestimmte Anzahl an Hunden. Die Anzahl wird aber meist überschritten, wodurch diese Tierheime auf weitere Unterstützung angewiesen sind.

Für die Einfuhr nach Deutschland müssen, wie bei allen EU Ländern, die Tiere eine gültige Tollwutimpfung haben und auch gechipt sein. Sollten mehr als 5 Tiere eingeführt werden, muss der Transport über TRACES (TRAde Control and Expert System, ein von der EU am 1. April 2004 eingeführtes Datenbanksystem, mit dem der gesamte Tierverkehr innerhalb, aus der und in die EU erfasst wird, Anmerkung von Antonietta Matteo, Canem, Info aus Wikipedia entnommen https://de.wikipedia.org/wiki/TRACES) angemeldet sein.

Kroatische Hunde sind im Grunde nicht besonders auffällig. Je nachdem wie sie im Tierheim behandelt wurden, können sie verspielte lebensfrohe Hunde sein, aber auch ängstlich und scheu.

 

Meine Erfahrungen mit Straßenhunden in Kroatien, Ungarn und in der Türkei

 

Ungarn

Auch um Budapest herum gibt es keine Straßenhunde. Obwohl Ungarn ein sehr hundefreundliches Land ist, gilt auch hier in Tierheimen die Regel, dass nach 90 Tagen getötet wird. Auch hier versuchen private Tierschützer das Leid zu verringern. Selten habe ich in einem Land so viele Hunde am Geschirr laufen gesehen. Auch in Hotels sind sie meist willkommen.

Auffällig ist in Ungarn, dass es sehr viele „Listenhunde“ in den Sheltern gibt. Leider kann man gerade diesen Hunden überhaupt nicht helfen. Ein weiteres Problem in Ungarn sind die Kettenhunde, die dort ihr Dasein fristen und die, wenn sie alt und krank werden, in Tierheimen entsorgt werden.

Für die Einfuhr nach Deutschland gelten auch hier die EU-Bestimmungen.

 

Meine Erfahrungen mit Straßenhunden in Kroatien, Ungarn und in der Türkei

 

Türkei

Da habe ich besonders viel zu berichten. Ich habe mich lange geweigert im türkischen Tierschutz aktiv zu werden, weil es dort so fantastische gesetzliche Bestimmungen gab und ich immer gesagt habe, auch wenn es keine paradiesischen Zustände sind, funktioniert dort der Tierschutz teilweise besser als in Deutschland.

Die Hunde sind meist bestens sozialisiert, weil sie frei auf der Straße leben und auch meist in Ruhe gelassen werden. Auch der Staat hatte viel dazu beigetragen, dass sich das Bewusstsein für die Hunde geändert hatte. Z.B. war es gesetzlich vorgeschrieben, dass die Sender wöchentlich eine halbe Stunde über Straßentiere berichten müssen. Aber durch die geänderte politische Situation, hat sich auch die Situation der Hunde verschlechtert. Sender gibt es ja kaum noch und diejenigen, die es noch gibt, müssen über „Wichtigeres“ berichten als über Straßentiere.

Laut dem neuen Tierschutzgesetz müssen Hunde in Zukunft in sogenannten „natürlichen Lebensräumen für Straßentiere“ untergebracht werden…. Das sind zum Teil einfach eingezäunte Wälder in denen die Tiere ihrem Schicksal überlassen werden. Das Töten ist ja in der Türkei verboten. Tierschützer versuchen das zu umgehen, indem sie Straßentiere impfen und kastrieren lassen und sie auf sich selber anmelden. „Noch“ ist ja nicht vorgeschrieben, wo man seinen eigenen Hund halten muss.

Laut Gesetz muss jeder Hund, der einen Besitzer hat, kastriert werden (außer man kümmert sich um den Nachwuchs), geimpft sein und einen Ausweis besitzen. Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Das Hauptproblem in der Türkei ist auch, dass viele Türken die Ferien ihrer Kinder in der Ferienwohnung an der Küste verbringen. Dort werden oft als Belohnung für ein gutes Zeugnis Hundewelpen angeschafft. Am Ende des Urlaubs nach 3 Monaten fällt ihnen ein, dass der Hund zu groß ist und auch, dass man zu Hause ja gar keine Zeit für ihn hat. Also wird er auf der Straße ausgesetzt. Selten sieht man so viele Rassehunde in Tierheimen und auch auf der Straße wie in der Türkei. Auch wenn das an sich verboten ist, gilt auch hier: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Jede größere Stadt in der Türkei hat ein sogenanntes Rehazentrum für Straßentiere. Dort sollen Straßentiere kastriert, geimpft und wenn nötig medizinisch versorgt werden. Anschließend sollen sie wieder an ihre  angestammten Plätze zurück gebracht werden. Aber das ist wohl nun Geschichte.

Die Einreisebestimmungen für türkische Hunde sind komplizierte, weil es sich um ein Drittland handelt.

Hunde, die älter als drei Monate sind, sind 15 Tage vor Einreise gegen Parvovirose, Staupe, Hepatitis, Leptospirose sowie Tollwut zu impfen.

Die Impfungen müssen im Impfpass eingetragen sein. Die Gültigkeit vorher durchgeführter Impfungen darf nicht überschritten werden. Bis 15 Tage vor Einreise muss für die Tiere eine tierärztliches Gesundheits- und Impfzeugnis ausgestellt und bei der Einreise in Deutschland den Amtstierärzten am Zoll vorgelegt werden. In der Türkei ist ein einziges Labor dafür zugelassen, das Veterinary Control Central Research Institute in Ankara.

Die Hunde leben in Gruppen oder auch einzeln auf der Straßen. Oft werden sie von Geschäftsinhabern oder Restaurantbesitzern gefüttert. Im Winter wurden sie sogar von den Stadtverwaltungen gefüttert. Ob das so bleibt, steht auch in den Sternen.


 

Meine Erfahrungen mit Straßenhunden in Kroatien, Ungarn und in der Türkei
Über die Autorin:
Also, ich heiße Gökcen Könü, bin 49 Jahre alt, von Beruf Steuerfachangestellte und war lange Zeit intensiv und nun mehr bei "Bedarf" im Tierschutz aktiv. Ich bin Mutter eines 22-jährigen Sohnes, der meine soziale Ader geerbt hat und soziale Arbeit studiert.
Ich habe mehrmals in Kroatien und auch in Ungarn in Tierheime besucht. Dabei war ich nur in Non-Kill-Sheltern. Ein einziges Mal habe ich eine Tötungsstation in Budapest besucht und für mich selber beschlossen, dass ich nie in der Lage sein werde zu entscheiden welches Tier ich da raushole und welches ich zum Sterben dort lasse. Da ich gebürtige Türkin bin, kenne ich die türkischen Straßenhunde besonders gut.
MEINE ERFAHRUNGEN MIT STRAßENHUNDEN IN KROATIEN, UNGARN UND IN DER TÜRKEI
Achja, derzeit leben bei mir die bald 9-jährige Belka und die bald 10-jährige Candy. Belka kommt aus Serbien und Candy aus Rumänien.
Srecko, der mit auf der Collage (Titelbild, Anmerkung A.M.) ist, war mein Langzeitpflegi.
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