Die Mär von der „Dankbarkeit und Rettung und Mitleid“ von und mit Hunden aus dem Auslandstierschutz

Dankbarkeit und Rettung und Mitleid

Hast Du auch Mitleid mit diesen armen Hunden, die einem auf Fotos diverser Tierschutzorganisationen mit ihren großen Augen entgegensehen? Halb verhungert bis völlig abgemagert, misshandelt, verletzt, völlig verängstigt – ich kann gut verstehen, dass einige Menschen das Gefühl haben, wenigstens dieses eine Tier retten zu müssen oder gerettet zu haben. Wer bekommt hier nicht das Gefühl, mehr tun zu müssen, noch einen Hund aufnehmen zu müssen, obwohl doch vielleicht schon ein oder zwei oder gar drei Hunde im Haus sind?

Gefühlt blicken einem diese Hunde mitten ins Herz. Und leider ist das auch so gewollt. Du sollst Mitleid haben. Und Dich von deinem Mitleid dazu hinreißen lassen, diesen Hund zu Dir nach Hause zu holen. Da kursieren Aussagen wie „Warum rettet denn keiner diesen Hund?“, „Was seid ihr nur für Menschen…?“ und vieles mehr. Da wird mit dem schlechten Gewissen Handel betrieben.

Nein, ich will damit nicht sagen, dass wir keine Hunde aus dem Ausland zu uns nach Deutschland holen sollen. Denn auch für mich hat der Tierschutz keine Grenzen. Auch ich bin der Ansicht, dass man da helfen sollte, wo es notwendig ist. Egal, ob im eigenen Land oder in einem anderen. Und auch mein Herz möchte weinen bei diesem Anblick. Würde ich mich jedes Mal hinreißen lassen, hätte ich mittlerweile 20 Hunde! Minimum!

Doch sollte man auch kritisch sein, Fragen stellen und darauf beharren, die Wahrheit zu erfahren, soweit es eben möglich ist. Denn die Sache mit dem Mitleid ist leider eine große Geschäftsidee geworden. Die manchen Menschen viel Geld bringt. Und leider kann so der nationale und internationale Handel mit Tieren immer mehr Fuß fassen.

Was macht seriösen Tierschutz aus?

Eine seriöse Tierschutzorganisation hat es nicht nötig, Märchen zu erzählen, stellt sich auch kritischem Hinterfragen, bringt nicht nur Tiere nach Deutschland, sondern hilft den Tieren auch in den Ländern vor Ort, betreibt Aufklärung in der Bevölkerung zusammen mit inländischen Tierschützern. Eine seriöse Organisation bietet nicht nur Welpen an. Kastrationsprojekte werden unterstützt, damit sich die Tiere dort nicht immer weiter vermehren und so noch mehr Leid produziert wird.

Seriöse Tierschutzorganisationen lassen die Tiere gesundheitlich checken und impfen, klären auf über die Tiere, die sie vermitteln. Wenn Du Dich hier für ein Tier interessierst, erfährst Du so weit, wie es nur irgend möglich ist, etwas über die Vorgeschichte – soweit diese eben bekannt ist. Es werden Fakten vermittelt, ihr werdet über die Rassedispositionen aufgeklärt, Verhaltensauffälligkeiten werden ebenso übermittelt wie gesundheitliche Probleme und Krankheiten.

Was passieren kann, wenn nicht richtig aufgeklärt wird, kannst Du hier nachlesen. Ein Kleiner Hund im Himmel...

Die Sache mit der Rettung

Vielerlei Überlegungen sind angesagt, wenn man dann doch so einen Auslandshund bei sich aufgenommen hat. Die Herkunftssituation, die Verbringung in ein fremdes Land, eventuelle Krankheiten – all dies hat Einfluss auf das Verhalten des Hundes.

Machen wir uns einmal bewusst, wie sich das für so einen Hund anfühlen muss, der aus seiner vertrauten, wenn auch vielleicht für ihn schlechten, Umgebung herausgerissen wird. Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du eines Morgens einfach in einem fremden Land aufwachst? Menschen reden auf Dich ein – doch Du verstehst kein Wort? Alles ist Dir fremd? Vermutlich muss man schon sehr abenteuerlustig sein, damit einen das nicht aus Bahn wirft.

Du denkst dir jetzt vielleicht, dass aber die Hunde doch froh sein können, aus ihrem Elend befreit worden zu sein. Doch mal ganz ehrlich, warum sollte er das? Ja, sicher gibt es Hunde, die wirklich elend leben, denen es schlecht geht, die schlecht behandelt werden. Aber es gibt durchaus auch Tiere, die zufrieden sind mit ihrer Situation. Vielen Straßenhunden geht es tatsächlich nicht schlecht.

Der Ort in Süditalien, aus dem mein Vater stammt, hat einen zentralen Platz und dort leben auch einige Straßenhunde. Und zwar gut. Sie bekommen zu Fressen, haben immer frisches Wasser und werden von allen möglichen Passanten auch mal gekrault. Sie sind rund, zufrieden und ja, durchaus glücklich mit ihrem Leben in dieser süditalienischen Kleinstadt. Was würde denn passieren, würde man diese Hunde einfach nach Deutschland karren (abgesehen von der langen Reise, eingesperrt in einen Kleintransporter, bei Temperaturen um die 40°C im Sommer). Eine Reise über gute 1500 km bis hierher – nach Süddeutschland. Bis nach Hamburg? Puh, noch mal ein knapp 800 km mehr.

Und dann? Wollt ihr diesen Hund wirklich in eine Wohnung, ein Haus sperren? Also, wäre ich an Stelle dieses Hundes, ganz ehrlich, ich würde auch ausrasten und alles zerstören. Ich käme mir eingesperrt vor.

Dankbarkeit und Rettung und Mitleid

Nein, meine Lieben, wir „retten“ diese Hunde nicht. Wir bemühen uns, dem einen oder anderen Hund ein schönes Leben zu bieten. Aber gefragt haben wir diese Hunde nicht. Und ich wäre durchaus neugierig auf so manche Antworten.

 Mitleid oder Mitgefühl?

Unsere Auslandshunde haben Mitgefühl verdient. Doch wir sollten nicht mit ihnen leiden. Das bringt uns zusammen mit unseren Hunden nicht weiter. Und das ist es doch, was wir wollen, oder? Wir wünschen uns für diese Hunde doch Sicherheit, wir wünschen uns, dass sie eines Tages ohne Ängste durchs Leben gehen können und fröhliche, unkomplizierte Hunde sein dürfen.

Mitleid wiegt schwer. Denn dann leiden auch wir Menschen. Das ist jedoch nur sehr wenig förderlich für die Befindlichkeiten unserer Auslandshunde. Um einen fröhlichen Hund aus einem Angsthund zu machen braucht es genauso wie bei einem Hund vom Züchter dies und das. Zum Beispiel konsequentes, durchaus liebevolles, Training, Regeln für das Zusammenleben, Verstehen von Hundeverhalten und Lesen von hündischer Körpersprache. Dazu gehört auch, dass wir unseren Hunden nicht zu viel zumuten. Ihnen die Chance geben, hier anzukommen, sich einzuleben. Und ihnen Schrittchen für Schrittchen helfen, unsere Welt besser zu verstehen und somit auch Ängste abbauen zu können.

Die liebe Dankbarkeit

Unser Hund wurde uns angepriesen als unterwürfig, aus einem guten Stall und uns wurde auch gesagt, dass diese Tiere ja so wahnsinnig dankbar wären.

Jetzt mal ehrlich, warum um Himmels willen sollte uns dieser Hund dankbar sein? Oder der Tierschutzorganisation, die ihn nach Deutschland verfrachtet hat? Und überhaupt sollten wir uns doch fragen, ob Tiere so ein Gefühl wie Dankbarkeit überhaupt kennen. Und so ganz nebenbei, welcher Mensch kennt schon Dankbarkeit. Bei manch einem hat man so das Gefühl, er hat diesen Begriff noch nie gehört.

Ich erwarte noch nicht einmal von meinen Kindern Dankbarkeit. Wofür auch? Ich weiß, dass sie mich als Mutter schätzen und ich hoffe, sie schätzen mich aus als den Menschen, der ich bin. Sollen sie mir dankbar dafür sein, dass ich sie in die Welt gesetzt habe? Dass ich sie umsorgt und mich um sie gekümmert habe? Dass ich sie in ihrer Pubertät ausgehalten habe? Nein, ich erwarte keine Dankbarkeit. Ich weiß, dass sie mich schätzen, lieben und mir vertrauen. Das reicht mir vollkommen.

Dankbarkeit und Rettung und MitleidUnd Vertrauen ist auch das, was ich mir wünsche, wenn ich meinen Hund ansehe. Daran arbeiten wir - mit Erfolg.

In diesem Sinne wünsch ich Euch viel Erfolg bei der Suche nach einer guten Tierschutzorganisation, wenn ihr einen Hund adoptieren wollt.

5 thoughts on “Die Mär von der „Dankbarkeit und Rettung und Mitleid“ von und mit Hunden aus dem Auslandstierschutz”

  1. Hallo Nora, vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ich sehe das genauso. Den Hunden, denen geholfen werden muss, soll geholfen werden – ob nun vor Ort oder hier bei uns. Und Mitleid bringt uns nicht weiter. Aber mit Gefühl, Empathie und Training können wir viel erreichen.
    Liebe Grüße, Antonietta

  2. Liebe Tina, ich danke dir für deinen Kommentar und auch für deine Kritik. Und ja, ich freue mich tatsächlich darüber, dass du diesen Punkt ansprichst.

    Mir ist vollkommen klar, dass das Thema Straßenhunde ein besonderes ist. Und selbstverständlich ist es nicht damit abgetan, dass es ja „nur glückliche“ Straßenhunde gibt.

    Mir geht es nur gegen den Strich, dass unseriöse Organisationen den Menschen einreden, sie müssten Tiere „retten“, an deren „Mitleid“ appellieren und diesen Menschen dann noch erklären, dass diese Hunde ja so „dankbar“ seien. Was auch immer mit Dankbarkeit gemeint ist. Und dann stehen viele Menschen plötzlich alleine da mit einem Hund, der sich in geschlossenen Räumen unwohl fühlt (vorsichtig ausgedrückt) und unter Umständen alles zerstört. Mit einem Hund, der extrem ressourcenverteidigend reagiert, niemanden an sich heranlässt und unter Umständen auch beißt.

    Auch hier bin ich mir dessen bewusst, dass das nicht auf alle Hunde zutrifft, die auf der Straße gelebt haben. Und doch passiert es. Und doch werden solche Hunde in Familien vermittelt, die dann vielleicht auch noch kleine Kinder haben. Und dieser Hund landet dann hier bei uns im Tierheim, weil die Familie nicht mehr weiß, wie sie damit klar kommen soll und aufgibt. Das ist nicht die Konsequenz, die ich mir wünsche.

    Tierschutz fängt an, wenn ich vor Ort helfe, die Menschen für die Gefühle und das Leiden der Tiere sensibilisiere und wenn sich die Tierschutzgesetze allerorten verändern – pro Tiere, nicht pro Menschen. Und hört da noch lange nicht auf.

    Das Thema „Straßenhunde“ ist ein großes und brisantes Thema. Daher freue ich mich darüber, Menschen gefunden zu haben, die in der nächsten Zeit den einen oder anderen Gastartikel bei mir veröffentlichen werden – Menschen die aktiv im Tierschutz tätig sind und mit Straßenhunden gearbeitet haben.

    Ich denke auch, dass diese Art der „Dankbarkeit“, die du ansprichst und wie du sie empfindest, durchaus die richtige ist. Unser Hund wurde uns mit den Worten angepriesen, er sei sehr devot und sicher auch sehr dankbar. Und das in einem Satz. Nein, ich möchte keinen unterwürfigen, gehorsamen, dressierten Hund. Was er zum Glück auch nicht ist. Er lehrt mich vieles, eins davon ist, zu erkennen, wie es ihm geht und darauf eingehen zu können. Ihn zu unterstützen und ihm aus seinen Ängsten heraus zu helfen. Von daher freue ich mich sehr, wenn er langsam aus seinem Schneckenhaus kommt, sich Dinge zutraut, die vor einem Jahr noch schier unmöglich waren und immer mehr Vertrauen in uns hat. Wir sind auf einem guten Weg.
    Viele Grüße, Antonietta

  3. Du sprichst mir aus der Seele. Auch in meiner Umgebung schießen sog. Tierschutzvereine die ausschließlich Auslandshunde vermitteln aus dem Boden. Hunde werden geholt ohne ausreichend Pflege- und schon gar keine Endstellen zu haben. Das führt dazu, dass deren Auswahl, wenn der nächste Schub bevorsteht, nur noch geringen Maßstäben folgt.
    Die regionalen Tierheime sind voll mit gescheiterten Versuchen Straßenhunde zu Familienhunden umzuschulen.
    Auch die von dir beschriebenen,oft tödlich endenden Fluchten, oft schon aus dem Auto von Transportketten, häufen sich.
    Kritik wird als Herzlosigkeit angeprangert.
    Die Beschreibungen der Hunde gleichen sich auffällig alle“suchen“ nach Jahren auf der Straße „ihre“Familie.
    Aufmerksam geworden auf das Thema bin ich als meine Mutter einen Spanier adoptiert hat. 4 Monate alt im Tierheim geboren. Also nichts Schlimmes erlebt. Zumindest laut der Vermittlerin. Was wir bekamen war ein Angstbeisser aus dem Lehrbuch. 2 Jahre intensives Training waren notwendig um ihn sozialverträglich werden zu lassen. Männer mit dunklen Hosen und Stöcke z.B. von Nordic Walkern mag er bis heute nicht. Durch Zufall trafen wir auf die damalige PflegeMama bei der wir ihn abgeholt hatten und die nicht mehr für den Verein tätig ist. Für sie kamen unsere Erfahrungen nicht überraschend.

  4. Irgentwann hab ich abgebrochen die Kommentare zu lesen. Meine Meinung, klar der Tierschutz muß in dem Land stattfinden wo das Problem entsteht. Es müßen Kastrationsprogramme gemacht werden und den Einheimischen die Probkematik näher gebracht werden. Jedoch geht das (leider) nicht immer. Meine Hunde kommen aus Spanien, die Jäger dort können mit kranken, verletzten oder „jagduntauglichen“ Hunden nichts anfangen. Um das Ansehen nicht zu verlieren werden sie aussortiert und in den Tötungsstationen abgegeben. Ich würde es nicht übers Herz bringen, wenn ich die Möglichkeit habe diesen Hunden zu helfen, sie dort töten zu lassen. Jedoch bin ich strikt dagegen die Welpenvermehrer zu unterstützen!
    Bin zu diesen Organisatoren gekommen, weil unser Tierheim mir keinen Hund vermitteln wollte“Ausage: mein Sohn ist erst 6 Jahre“ Den Hund den ich dort adopptieren wollte, saß noch 2 Jahre im Tierheim. Ich arbeite mit den Hunden nicht meine Kinder. Deswegen unterstütze ich writerhin den Auslandstierschutz. Finde es aber nicht gut diese ins Tierheim zu holen, anstatt auf Pflegestellen! Und eines muß jedem klar sein…ein Hund aus dem Tierschutz egal von wo hat seine Vergangenheit und die kann sein Leben lang Arbeit bedeuten!!

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich denke, jedes Land hat so seine eigene Problematik. In Spanien aussortierte Jagdhunde sind anders zu sehen als reine Straßenhunde usw. Ich bin sehr dafür, den Auslandstierschutz zu unterstützen. Es ist nur leider nicht so einfach, da es mittlerweile auch viele unseriöse TS-Organisationen gibt, die richtigen zu finden, denen man vertrauen kann. Deshalb finde ich es so wichtig, sich vorher genau zu informieren. Vor allem auch darüber, was es bedeuten kann, einen Hund mit diversen Problematiken bei sich aufzunehmen, denn meist ändert sich das Leben dadurch gravierend. Umso mehr freue ich mich über Menschen, die bereit sind, das auf sich zu nehmen und diesen Hunden helfen. Es ist um jedes Tier schade, wenn es im Tierheim landet, egal aus welchen Gründen.

Comments are closed.