Mantrailing – auch wir machen das!

Mantrailing

Mantrailing – Erst einmal nur eine Idee!

Zufällig war ich auf einen Artikel gestoßen, der sich mit dem Thema Mantrailing und hier insbesondere Mantrailing mit unsicheren, ängstlichen Hunden auseinandersetzte.

Paolo ist außerdem ein kleiner Nasenbär, der seine Nase gut und gerne einsetzt. So dachten wir, das könnte ihm gefallen und unter Umständen tut es ihm und uns sogar mehr als gut.

…doch dann – die Umsetzung…

Also haben wir uns auf die Suche gemacht und wurden fündig. Eine uns in der Zwischenzeit recht gut bekannte Hundetrainerin bietet Mantrailing an. So beschlossen wir, da mal zusammen hineinzuschnuppern, um festzustellen, ob unser Hund und auch wir Spaß daran haben. Aus dem Schnuppern wurde Regelmäßigkeit.

Auch der Spaß hat sich bei uns allen ziemlich schnell eingestellt und die ersten Erfolge waren schnell zu sehen.

Wie alles anfing…

Unser erster Schnuppertermin fand abends statt. Zuerst mussten wir sicherstellen, ob Paolo überhaupt anspringt auf die ganze Sache. Da er fremden Menschen gegenüber sehr unsicher ist und eher ängstlich bis ängstlich aggressiv reagiert, war mein Mann die „Suchperson“. Somit war sichergestellt, dass Paolo auch hinterhergeht. Und natürlich mussten wir herausfinden, ob er seine Nase auch entsprechend einsetzt. Paolo ist ein Hund, der sowohl die Nase in der Luft hat, um Gerüche aufzunehmen, gerne auch am Boden Spuren nachgeht und auch auf Sicht jeder Bewegung folgt.

Los ging es mit der Motivation. Ein Superleckerli in der Dose, die mein Mann ihm vor das Näschen hielt und damit schepperte waren der Einstieg in die Aktion. „Yeah, schau mal“ und mein Mann lief vor uns her, den Hund anfixend, motivierend, ihm zu folgen. Auf halber Strecke „verlor“ er dann seinen Handschuh (ein Glück, dass es an diesem Abend recht kalt war, so hatten wir auch diese Requisite dabei) und lief weiter.

Mein Part war erst einmal – stillstehen, langsam die Leine nachgeben und dann hinterhergehen. Paolo sollte am Handschuh schnuppern und dann meinem Mann folgen. Er hat seine Aufgabe gut gemeistert. Um die nächste Ecke war mein Mann „versteckt“ und Paolo durfte ihn finden und seine Belohnung erhalten – feine Hühnerhälse. Die er nur bekommt, wenn wir trailen. Dieses Spielchen haben wir dann noch ein paar Mal wiederholt, immer mit Pausen zwischendurch, um dem Hund die Möglichkeit zu geben, alles zu verarbeiten, darüber „nachzudenken“.

Und es geht weiter…

Die nächste Übungseinheit fand dann an einem gemeinsamen Trail-Wochenende in Südtirol statt, an dem wir buchstäblich in letzter Sekunde noch teilnehmen konnten. Ich durfte dort Versteckperson spielen für die Hunde anderer TeilnehmerInnen. Für Paolo versteckte sich immer noch mein Mann. Die vielen unbekannten Gesichter durfte Paolo dann in einem Futterkreis kennen lernen.

 

Der Futterkreis:

Alle anwesenden TeilnehmerInnen, die nicht gerade mit Verstecken und Suchen beschäftigt waren, stellten sich im Kreis auf. Paolo mit mir in der Mitte des Kreises. Um einem ängstlichen Hund nicht so übermächtig zu erscheinen, ist es gut, wenn eine fremde Person sich klein macht, also in die Hocke geht, sich etwas seitlich dreht und den Hund nicht ansieht. Reihum, einer nach dem anderen, machte sich also ein Mensch klein, streckte Paolo die geöffnete Hand entgegen und lockte ihn an. Mein kleines Fressmaschinchen war natürlich scharf auf die Leckerchen. Und obwohl er sichtlich immer wieder zögerte, traute er sich zu einigen der TeilnehmerInnen hin, um das Futter aus der Hand zu nehmen. Die Person stand langsam wieder auf und die nächste machte sich klein. Und so weiter. Eine Runde und mein Hund war sichtlich geschafft. Also gönnten wir ihm eine Pause, um sich zu erholen. Im Übrigen konnte er selbst entscheiden, ob er sich das Futterstückchen holen möchte und sich somit zu einer fremden Person hin traut oder nicht. Dabei herrscht absolut kein Zwang.

Die nächste Stufe der Suche wird eingeleitet

Im Laufe des Wochenendes fasste er immer mehr Vertrauen zu unserer Trainerin. Somit konnten wir es wagen, die ersten Versuche der Fremdpersonensuche mit ihm und ihr zu starten. Denn das war, und ist immer noch, ja letztlich unser Ziel.

Unsere Trainerin motivierte Paolo und er folgte ihr. Wow! Da haben wir echt etwas geschafft. Stolz auf diesen Hund machte sich breit. So wie jedes Mal, wenn er wieder einen guten Schritt weiter ist.

Am unserem letzten Tag in Südtirol gab es noch einmal einen Futterkreis und wieder die Fremdsuche mit der Trainerin. Mein Hund ist auf einem guten Weg. Wie sehr, zeigt sich immer wieder, auch heute noch.

Ein anstrengendes Wochenende lag hinter uns. Paolo schlief extrem gut während der ganzen Heimfahrt. Er hatte viel geschafft und das auch schneller als gedacht.

Ein Schritt in die richtige Richtung, dem noch viele folgen werden…

Die ersten Treffen nach diesem intensiven Wochenende beinhalteten wieder einen kleinen Futterkreis zu Beginn für meinen Hund mit den TeilnehmerInnen am Mantrailkurs. Schon beim ersten Treffen nach Südtirol nahm Paolo ohne jegliche Scheu Futter aus den Händen der Frauen, die er schon kannte. Männer bereiten ihm immer noch mehr Probleme, aber auch da gab es schon kleine Erfolge.

So konnte eine der Teilnehmerinnen auch schon den ersten Motivationstrail mit Paolo machen. Wir machen unsere Schritte in die richtige Richtung und freuen uns riesig darüber. Jedes Mal bin ich stolz wie Bolle auf meinen Hund.

Wir hatten also somit eine Möglichkeit gefunden, unser Hund hat sichtlich von Mal zu Mal mehr Selbstvertrauen und weniger Angst. In der Zwischenzeit ist die Suche von Fremdpersonen für ihn kaum noch ein Thema. Ich erinnere mich noch gut, als er zum allerersten Mal jemanden gesucht hat, den er zuvor noch nicht gekannt hatte. Ich wusste gar nicht, dass ein Hund sich so lang strecken kann! Auf der einen Seite wollte er dieser Fremden nicht zu nah kommen und auf der anderen Seite wollte er sich seine Belohnung holen, die er sich redlich verdient hatte. Bei der zweiten Suche war auch das kein Thema mehr für ihn. Er ging nah an sie heran und holte sich seine Hühnerhälse ab. Ja! Geschafft.

Und heute?

Erst vor kurzem kam die Suche nach einem MANN. Jawohl. Auch das hat Paolo wunderbar gemeistert. Nicht nur, dass er nach einem ihm fremden Mann suchte, der Trail verlief auch noch an einem Sportplatz vorbei, der gut besucht war. Und ja, auch das hat er gemeistert. Mein Hund wird immer mutiger.

Die Woche darauf gestaltete unsere Trainerin eine für meinen Hund unter anderen Umständen sicherlich sehr gruslige Situation. Die Suche nach einem Mann (den er jetzt aber schon kannte) und dieser saß noch dazu in einer Garage, das Tor halb geschlossen. Mein Hund ging zielstrebig in diese Garage, zu diesem Mann und holte sich seine Belohnung ab. Ohne ein einziges Zögern hat er diese Aufgabe mit Bravour abgeschlossen. Yeah!

Und der Bezug zum wirklichen Leben?

Auch in unserem normalen Alltag merkt man Paolo an, dass er sicherer wird. Er findet immer noch Dinge spooky und reagiert entsprechend darauf. Doch er reagiert nicht mehr so ängstlich auf entgegenkommende Menschen zu. Er muss nicht mehr ganz so viel ausweichen, manchmal auch gar nicht. Die HalterInnen seiner Hundekumpels dürfen ihn streicheln.

Auch wenn es noch Zeit braucht, bis seine Ängste eventuell gänzlich vorbei sind – wir befinden uns auf einem guten Weg dorthin.

Und Mantrailing ist ein Meilenstein in unserer Arbeit damit. Es hilft dem Hund und uns. Und es macht uns noch dazu viel Spaß. Genau das ist es, was wir brauchen, zusammen mit ganz vielen und schönen anderen Dingen, die wir mit unserem Hund unternehmen und trainieren.

Im Übrigen – jeder Hund kann das machen, in unserem Team sind die unterschiedlichsten Rassen, Mischlinge und Größen vertreten – auch ein kleiner Pinscher ist mit dabei, eine tolle kleine Trailmaus, die ihren Job sehr ernst nimmt! Anfangs sollte man einfach nur testen, ob der Hund auf diese Art der Suche anspringt und Interesse hat. Wenn nicht, macht es euch und eurem Hund auch keinen Spaß, dann sucht man sich lieber eine andere Beschäftigung, sonst steigt die Frustration auf beiden Seiten.

MantrailingWas braucht man dazu?

Der Hund braucht dann mit der Zeit, wenn man ernsthaft dabeibleiben möchte, ein Trailgeschirr. Denn die Hunde dürfen und müssen ziehen! Daher sollte man darauf achten, ein gut sitzendes Geschirr dafür zu verwenden. Mit Halsband trailen ist keine Option, das würde dem Hund nur Schaden hinzufügen.

Dann braucht man eine Schleppleine, mindestens fünf Meter lang, die gut in der Hand liegt und nicht zu schwer ist. Das muss man einfach testen. Meist haben Trainer dann auch Trailgeschirre und Schleppleinen dabei, mit denen man das austesten kann.

Ein kleines Döschen, das sich gut öffnen lässt, gehört ebenfalls mit zur Ausrüstung. Dort kommen die Leckerchen hinein, die der Hund als Belohnung bekommt, wenn er die Suchperson gefunden hat. Die Leckerchen sollen eine besondere Belohnung für einer besondere Leistung sein. Man kann dafür auch eine Futtertube verwenden. Je nachdem, was als Belohnung verwendet werden soll. Tipps hierzu erhaltet ihr sicherlich von den Trainern.

Dann braucht ihr noch Tüten mit Zippverschluss für die Geruchsstoffe. Wir verwenden meist ein Taschentuch, das man vorher eine zeitlang am Körper getragen hat. Ich muss also schon immer im Laufe des Tages daran denken, ein Taschentuch am Körper zu deponieren, um für den Trail gerüstet zu sein.

Als Mensch benötigst du wetterfeste Bekleidung und gutes Schuhwerk. Die Trails führen nicht immer nur über gut begehbare Wege oder Straßen. So manches Mal geht es mitten durch den Matsch oder Wald oder über Wiesen – Stock und Stein sozusagen! Also auch im Sommer, wenn es warm ist, läuft man keinen Trail mit Flipflops oder Sandalen. Absätze sind ebenfalls eher abträglich.

Kurz zum Geruchsstoff:

Der Hund riecht daran und erhält darüber alle Informationen über den jeweiligen Individualgeruch des Menschen, den er suchen soll. Macht sich der Hund auf die Suche, geht er genau diesem einen Geruch nach, alle anderen Gerüche werden ausgeschlossen. Stellt euch nur einmal vor, zu welch einer Leistung unsere Hunde fähig sind! Um den Hund nicht zu verwirren, sollte der Geruchsstoff „rein“ sein – also nicht durch den Geruch eines zweiten Menschen kontaminiert sein.

Zum Schluss:

Es gibt sicherlich noch ganz viele Aspekte – das Thema ist ja auch sehr umfangreich.

Im Rettungshundebereich ist Mantrailing, ob im Gelände oder in der Flächsensuche, ein sehr wichtiger Bereich. Dort sind die Trailteams ein wichtiges Hilfsmittel bei der Suche nach vermissten Personen. Auch bei vermissten Haustieren können Trailteams eingesetzt werden. Natürlich bedarf es im Bereich der Rettungshunde einer Ausbildung für Mensch und Hund, die mit einer Prüfung abgeschlossen wird.

Habe ich euer Interesse geweckt? Solltet ihr es nun ebenfalls mit Mantrailing versuchen wollen, wünsche ich euch viel Erfolg und Vergnügen dabei!

Wer sich weiter informieren möchte, findet viele Informationen im Internet und natürlich in Büchern. Ich empfehle dabei gerne das Buch „Mantrailing – Mit Basic-, Sport- und TheraTrailing“ von Alexandra Grunow und Rovena Langkau / Unter Mitarbeit von Dr. Udo Gansloßer“ (Kosmos Verlag)