Angst vor Hunden? 5 Tipps, die Ihnen bei Hundebegegnungen helfen können:

Angst vor Hunden

Allein mit meiner Angst?

Erinnerungen:

Kindheitserinnerungen begleiten uns oft unser ganzes Leben. Manche davon sind durchweg positiv, manche sind mehr oder weniger negativ. Wenn ich mich an meinen Schulweg zur Grundschule erinnere, sticht eine Erinnerung ganz deutlich hervor: DER schwarze Schäferhund. Er hat wirklich großen Eindruck hinterlassen – mit eindeutigem Beigeschmack, Angst nämlich. Jeder der an diesem Garten vorbeiging, machte Bekanntschaft mit diesem wild kläffenden und knurrenden Hund, wie er an den Zaun preschte, über den er im Übrigen mit Leichtigkeit hätte springen können.

Damals habe ich immer die Straßenseite gewechselt, denn dieser Hund war mir schon sehr unheimlich. So eine Wut, so ein wildes Gebaren – das fand ich ziemlich erschreckend! Mein Herz klopfte wie wild, dieser Hund hat mich wirklich sehr geängstigt!

Nun, eines hat dieser Hund nicht geschafft, nämlich, mir dauerhaft Angst vor allen Hunden einzujagen. Ich bin zwar in den folgenden Jahren instinktiv einigen Hunden ausgewichen und habe auch öfter einmal die Straßenseite gewechselt, andere Hunde wiederum machten mir keine Angst, ganz unabhängig von der Größe und dem Aussehen des Hundes.

Denn es gibt ja auch die guten Erinnerungen – z.B. an den Pudel meiner Großeltern, der mich die meiste Zeit meiner Kindheit begleitete. Wirklich Angst hatte ich nur vor einem Pony, das mich frecherweise in die Schulter gebissen hatte! Dieses Erlebnis war wesentlich nachhaltiger, denn vor Pferden habe ich noch heute den größten Respekt!

Angst kann unser Leben nachhaltig beeinflussen

Es gibt viele Menschen, die Angst vor Tieren haben und da auch wieder ganz speziell vor Hunden. Woher kommt diese Angst und was kann man dagegen tun (immer vorausgesetzt, jemand möchte gegen seine Ängste vorgehen)? Viele Menschen fühlen sich mit ihren Ängsten allein gelassen. Häufig genug werden diese Ängste von der Umwelt belächelt und heruntergespielt. Doch jeder Mensch macht andere Erfahrungen, wertet diese unterschiedlich und geht auf sehr verschiedene Weise damit um. Was bei einem Menschen Angst auslöst, tangiert einen anderen gar nicht. Häufig braucht es dafür noch nicht einmal große Ursachen. Und oft genug übertragen manche Eltern ihre Ängste auf ihre Kinder.

Was ist denn nun Angst überhaupt? Wo kommt sie her? Wodurch wird sie ausgelöst?

Angst und Furcht werden umgangssprachlich häufig gleichgesetzt. Furcht unterscheidet sich von der Angst darin, dass es sich hier um das Gefühl einer konkret fassbaren Bedrohung handelt. Furcht ist meist rational begründbar, ihr Ursprung liegt also in der Wirklichkeit verankert. Angst hingegen ist angeboren und ein Grundgefühl, sie bezieht sich erst einmal nicht auf eine konkrete Situation oder Sache.

Für unser Überleben ist beides jedoch absolut entscheidend und sinnvoll. Haben wir Angst, reagieren wir in kritischen Momenten mit besonderer Vorsicht und Aufmerksamkeit und begeben uns so gar nicht erst in Gefahr. Bei Angst mobilisieren wir alle Reserven, die wir für einen Kampf oder eine Flucht benötigen.

Begleitet wird das Angstgefühl von den verschiedensten körperlichen Symptomen, wie z.B. Herzklopfen, einem beschleunigten Puls, Schweißausbrüchen, Frieren, angespannten Muskeln, Atembeschwerden, Zittern, Beklemmungsgefühlen, Schwindel und vieles mehr. Ängstlichkeit ist zum Teil Veranlagung, doch auch unsere Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen, prägt unser Angstverhalten.

Schwierig wird es erst dann, wenn Ängste außer Kontrolle geraten und unser ganzes Leben überschatten. Wir fühlen uns dann häufig wie gelähmt und unsere Lebensqualität sinkt rapide. Eine Phobie, eine Angst vor Situationen und Dingen, die grundsätzlich erst einmal harmlos sind, kann sich daraus entwickeln. Begegnet man dem angstauslösenden Reiz oder schaut sich auch nur Bilder dieses Reizes an, werden teilweise sehr heftige Angstreaktionen ausgelöst.

Canophobie oder Kynophobie – Die Angst vor Hunden

Eine ehemalige Kollegin hatte Angst vor Hunden. Diese Angst wurde ihr von den eigenen Eltern eingeimpft, die beide schon von einem Hund gebissen wurden. Sie geht also am liebsten allen Hunden aus dem Weg, sie möchte in keinster Weise mit dem Thema Hund in Berührung kommen oder gar mit Hunden konfrontiert werden.

Gründe für diese Angst gibt es viele. Ob nun Eltern ihre Angst auf ihre Kinder übertragen haben oder ob jemand einfach selten bis nie Kontakt zu Hunden hatte, ist dabei erst einmal unwichtig. Wichtig ist jedoch das eigene Verhalten beim Zusammentreffen mit Hunden, denn diesen kann man ja nicht immer aus dem Weg gehen.

Damit will ich das Problem auf keinen Fall alleine bei den Menschen belassen, die Angst vor Hunden haben. Auch ich als Hundehalter/in stehe in der Verantwortung und muss dafür sorgen, dass andere Menschen unbehelligt ihrer Wege gehen können!


5 Tipps, wie ich mich bei Hundebegegnungen verhalten kann:

  1. Direkten Blickkontakt mit dem Hund vermeiden.
    Das Anstarren bzw. dem Hund in die Augen starren könnte der Hund als Bedrohung auffassen und entsprechend darauf reagieren. Schauen Sie einfach weiterhin geradeaus oder woanders hin.
  2. Achten Sie auf Ihre Körperhaltung.
    Versuchen Sie locker zu bleiben und ruhig in den Bauch zu atmen. So signalisieren Sie dem Hund, dass Sie keine Angst haben.
  3. Gehen Sie ruhigen und gelassenen Schrittes an Hund und Halter vorbei.
    Werden Sie nicht langsamer oder schneller beim Gehen. Einem Hund würde ihre veränderte Geschwindigkeit auffallen und ihn unter Umständen neugierig machen.
  4. Dem Hund die Seite zudrehen.
    Falls ein Hund doch einmal auf sie zuläuft, laufen Sie auf keinen Fall weg, sondern drehen ihm die Körperseite zu und drehen den Kopf weg vom Hund.
  5. Wenden Sie folgende Signale an, die in der Hundewelt als Beschwichtigungssignale gelten:
    Kopf wegdrehen, sich über die Lippen lecken, Gähnen. So können Sie die Situation bei einem ängstlichen oder auch aufgeregten Hund entspannen.

Visualisierungsübungen können dabei sehr hilfreich sein. Überlegen Sie sich unterschiedliche Situationen für Hundebegegnungen, ob nun in der Stadt, im Wald oder im Restaurant etc. Stellen Sie sich vor, dass Sie plötzlich einen Hund sehen, dieser Sie ansieht oder gar auf Sie zuläuft. Egal, welche Größe der Hund hat, ob er bellt oder knurrt – gehen Sie ihre Checkliste durch (Körperhaltung, Atemfrequenz, Blickrichtung, Gehgeschwindigkeit…). Denken Sie dabei an etwas Schönes (Lieblingsurlaub, Lieblingsessen, Blümchenwiese…)! Und zum Schluss der Übung stellen Sie sich auf jeden Fall vor, dass sich der Hund nicht mehr für Sie interessiert und weiterläuft.

Das alles benötigt natürlich viel Übung. Sie werden Ihre Ängste nicht von heute auf morgen verlieren.

Ein wichtiger Rat, den ich Menschen mit Angst vor Hunden näherbringen möchte, ist, unter anderem auch auf die Körpersprache von Hunden zu achten. Das bedeutet allerdings auch, diese erst einmal zu lernen. Wie, fragt Ihr Euch? Eine Möglichkeit sind Bücher. Auch wenn Fotos immer nur Momentaufnahmen sind, zeigen sie schon ganz schön viel und davon abgesehen, stehen ja auch Erklärungen im Text. Dann gibt es auch Videos zum Ausdrucksverhalten von Hunden. Zum anderen bietet der eine oder andere Hundetrainer Seminare/ Vorträge über hundliches Ausdrucksverhalten an, die Sie besuchen könnten.

Es gibt so viele Gründe für diese Ängste. Und wenn wir dann die Hunde nicht einschätzen können, ihr Ausdrucksverhalten nicht kennen, fällt es umso schwerer, diese Ängste auch wieder zu verlieren. Medienberichte tun natürlich ihr Übriges dazu, Ängste auch noch zu schüren. Kein Hund ist von Grund auf aggressiv. Es hat immer Gründe, warum ein Hund sich so oder so verhält. Hunde kommunizieren untereinander sehr fein und sind Meister im Lesen der Körpersprache von uns Menschen.

Rassetypische Verhaltensweisen wie z.B. das Fixieren und Anschleichen (bei Hütehunden z.B.) können durchaus bedrohlich wirken. Die Ängste vor den sogenannten "Listenhunden" werden regelmäßig über die Medien geschürt. So baut man vielleicht auch noch unnötig viele Vorurteile auf.

Das Lesen der hundlichen Körpersprache ist allerdings nicht nur für Menschen wichtig, die Angst vor Hunden haben. Auch wir Hundehalterinnen sind dazu angehalten, diese zu lernen. So können wir vorbeugend eingreifen und schützen somit unsere Mitmenschen.

Muss ich mich meiner Angst vor Hunden überhaupt stellen?

Das liegt ganz bei Ihnen. Stellen Sie sich die Frage, ob Sie mit Ihrer Angst leben können. Oder auch Fragen wie: ob Ihre Angst Ihr Leben nachhaltig zum Negativen beeinflusst? Haben Sie immer wieder Hundekontakte im Verwandten- und Freundeskreis, denen Sie nicht ausweichen können und die Sie sehr beunruhigen? Haben Sie, wenn Sie unterwegs sind, Angst vor Hunden und sind auch hier sehr beeinträchtigt? Können Sie diese Fragen mit einen klaren NEIN beantworten, brauchen Sie nichts dagegen unternehmen. Denn dann können Sie gut damit leben. Können Sie diese Fragen nur mit einem klaren JA beantworten, sollten Sie wirklich versuchen, etwas zu unternehmen.

Oben genannte Tipps können Ihnen helfen, damit umzugehen. Fühlen Sie sich nicht wohl damit, suchen Sie jemanden auf, der Ihnen weiterhelfen kann. Sind Ihre Ängste extrem groß, kann therapeutische Hilfe Sie dabei unterstützen.

Liegt nun die ganze Verantwortung bei dem ängstlichen Menschen?

Nein, natürlich nicht. Wir als Hundehalter tragen die Verantwortung für unseren Hund und sein Verhalten. Wir kennen unsere Hunde (oder sollten sie kennen) und wissen, wie sie in verschiedenen Situationen reagieren. Deshalb sollten wir unsere Hunde nicht einfach zu Fremden hinlaufen lassen. Ein funktionierender Rückruf, den Hund bei sich behalten oder auch an die Leine nehmen, muss selbstverständlich sein. Dazu müssen wir die Ängste anderer Menschen nicht verstehen, wir müssen sie nur respektieren und entsprechend rücksichtsvoll handeln.

3 thoughts on “Angst vor Hunden? 5 Tipps, die Ihnen bei Hundebegegnungen helfen können:”

  1. Liebe Claudia,
    danke für deinen Kommentar. Schön, dass du deine Angst überwinden konntest und heute einen eigenen Hund haben kannst!
    Liebe Grüße Antonietta

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