Tiba aus Portugal– Ein Erfahrungsbericht

Tiba aus Portugal

Vor ungefähr einem Jahr zog Tiba bei Franziska Bürgi Panier und ihrer Familie ein. Es ist der erste Hund.

Franziska hatte die Tierschutzorganisation über Google gefunden und ersten Kontakt über deren Facebook-Profil aufgenommen. Vor der Adoption von Tiba gab es ein langes und ausführliches, persönliches Gespräch mit der Gründerin der Organisation. Diese kannte Tiba zwar auch nur vom Foto, hatte aber einen wirklich guten und seriösen Eindruck der Arbeit und des Engagements hinterlassen.

Soweit es möglich war, wurden Franziska und ihre Familie über Tiba aufgeklärt. Zum Beispiel, dass sie als Welpe zusammen mit ihren Geschwistern im Tierheim in Portugal abgegeben wurde. Auch darüber, wie alt Tiba war und wie groß sie einmal werden würde, wurde informiert. Ebenso bekam die Familie Fotos von ihren Geschwisterchen zu sehen.

Franziska ist durchaus zufrieden mit den Erfahrungen, die sie mit der Organisation gemacht hat und würde sich wahrscheinlich auch in Zukunft an diese wenden. Das einzige, das man ihnen vorenthalten hatte, war die Rasse. Doch Franziska kann das verstehen. Denn wüsste man um die Rasse, würde sich so mancher wahrscheinlich gegen eine Adoption entscheiden. Denn ein Podengo ist schon eine Nummer für sich und diese Rasse hat auch einen besonderen Charakter.

Das einzige, was Franziska bemängelt, ist, dass sie nicht auf die Ängstlichkeit ihrer Hündin hingewiesen wurde und auch nicht darauf, dass es Sicherheitsgeschirre für Angsthunde gibt, aus denen sie sich nicht befreien können.

Der Podenco/Podengo ist eine Herausforderung

 

Podencos (Spanien) bzw. Podengos (Portugal) sind reine Jagdhunde. In der Größe variieren sie von 30-35 cm in der Schulterhöhe (z.B. Podenco Andaluz Maneto) bis zu 66-72 cm Schulterhöhe (z.B. Podenco Ibicenco). Es gibt sie als Glatthaar, Rauhaar und Langhaar.

 

 

 

Der Podengo Portugues wird in drei Größen gezüchtet. Es gibt sie als Kurzhaar und Rauhaar.

 

 

Auffallend sind die großen Stehohren dieser Hunde. Die Bezeichnung hinter dem Rassenamen verrät die Herkunft (Andaluz – Andalusien, Ibicenco – Ibiza, Portugues – Portugal etc.)

Gezüchtet wird diese Hunderasse in Spanien und Portugal ausschließlich zur Jagd. Und zwar zur waffenlosen Meutejagd auf Wildkaninchen. Was bedeutet das? Ein Rüde und ca. 10 Hündinnen jagen selbstständig in der Meute, meist konfliktfrei. Die Hunde arbeiten also selbstständig und suchen sich ihre Aufgaben selbst aus, je nach Belieben stöbert also der eine im Gebüsch, während andere davor warten und alles stellen, was so aus dem Gebüsch herausrennt. Man nennt sie auch Solitärjäger. Sie jagen und fangen die Beute und bringen diese – oft auch lebend – zu ihrem Besitzer zurück.

Gerade diese Selbstständigkeit erschwert dann wiederum dem Hundehalter hier in Deutschland das Spazieren gehen mit seinem Hund. Viele berichten, dass, kaum sind sie draußen unterwegs, ihre Hunde (Podencos/Podengos) sie als Halter kaum bis gar nicht mehr beachten.

Podencos/Podengos sind keine reinen Sichtjäger, sondern jagen auch nach Gehör und setzen erfolgreich ihre Nase ein (was sie wunderbar zu kombinieren verstehen). Daher werden sie von der FCI (Fédération Cynologique Internationale) der Gruppe 5 „Spitze und Hunde vom Urtyp“, Sektion „Urtyp, Hunde zur jagdlichen Verwendung“ zugeordnet.

Vom Wesen her ist diese Rasse in der Wohnung „windhundtypisch“ eher sanft und ruhig, zeigt aber draußen ein sehr ausgeprägtes Jagdverhalten. Es bedarf einiger Konsequenz und ein gutes Training zusammen mit dem Hundehalter, um diesem Hund den benötigten Freilauf gewähren zu können.

Tiba

Tiba war ein sehr ängstlicher Hund. Sie kannte nichts, jeglicher Außenreiz löste Angst bei ihr aus. Sie wurde wohl mit nichts bekannt gemacht. Franziska schiebt es darauf, dass die Personen, die vor Ort in Portugal im Tierheim arbeiten, einfach keine Zeit haben, sich um die einzelnen Hunde und vor allem Welpen intensiv zu kümmern und sie mit ihrer Umwelt bekannt zu machen.

Anfangs konnte man Tiba noch nicht einmal anfassen und sie empfand jedes Auto als Ungeheuer. Es brauchte viel Geduld, um ihr ihre Ängste zu nehmen. Doch mittlerweile läuft sie frei und ist zu einem selbstbewussten Hund herangewachsen, der gut mit Menschen und anderen Hunden auskommt. Ab und zu ist Tiba etwas störrisch, wie es der Rasse Podengo eigen ist, aber Franziska gibt nicht auf und trainiert so viel wie möglich mit ihrem Hund. Sie arbeitet daran, Tibas Jagdinstinkt gut handeln zu können, kann sie jedoch jetzt schon in den meisten Gegenden ohne Leine laufen lassen.

Tibas Bruder war anfangs nicht so ängstlich, entwickelte jedoch in den darauffolgenden Monaten Ängste vor Männern und anderen Hunden. Tiba jedoch verlor nach und nach ihre Ängste und blühte regelrecht auf!

Angst beim Hund erkennen

 Angst

Ängstlich und/oder panisch zu reagieren ist für den Hund selbst in der jeweiligen Situation einfach nur eine richtige Reaktion. Ein ängstlicher Hund wird mehr oder weniger durch seinen Instinkt zur Handlung gezwungen. Die Reaktionen können sehr unterschiedlich sein – sie reichen von Flucht bis hin zu Aggression.

Meist ist der Hund in diesen Momenten auch nicht mehr ansprechbar. Entsprechend hilflos fühlen wir Menschen uns dann. Es bedeutet nicht, dass der Hund in diesen Augenblicken “ungehorsam“ ist oder etwas nicht machen „will“. Er kann einfach nicht anders und wir sind für ihn praktisch in diesem Moment „nicht vorhanden“.

Für den Hund bedeutet das großen Stress. Er befindet sich auch einige Zeit nach einer angstauslösenden Situation immer noch in höchster Erregung. Eine Kleinigkeit reicht, um ihn wieder panisch werden zu lassen. 

Anhand sichtbarer körperlicher Symptome lässt sich Angst durchaus erkennen: Die Ohren liegen flach am Kopf an, die Körperhaltung ist geduckt und kann entweder in Flucht- oder Angriffsverhalten übergehen, die Rute ist meist gesenkt oder verschwindet gänzlich unter dem Bauch, starkes Hecheln und Zittern gehören ebenfalls zu diesen Symptomen. Nicht sichtbar ist der erhöhte Herzschlag, die angespannten Muskeln, die dafür sorgen, dass der Hund schneller reagieren kann, die Aufmerksamkeit ist ebenso gesteigert wie das Hör- und Sehvermögen.

Im Übrigen verhält es sich mit den Angstreaktionen bei uns Menschen ganz ähnlich.

Franziskas Rat für euch:

Bitte informiert euch genau darüber, was auf euch zukommt. Vor allen Dingen, wenn ihr noch keine Erfahrungen mit Tieren/Hunden habt. Umfangreiche Recherchen und Nachfragen sind sehr wichtig. Ebenso, die Erfahrungen von anderen Menschen zu lesen und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Stellt euch die Fragen, ob ihr genug Wissen im Umgang mit Hunden habt, ob ihr bereit seid, in Zukunft viel Zeit und Geld für das Tier aufzuwenden. Für einen Tierschutzhund braucht es auch viel Geduld und Fairness im Umgang. Setzt euch intensiv mit dem Thema auseinander, bevor ihr euch so einen Hund holt. Ein Podenco/Podengo z.B. ist durchaus eine sehr große Herausforderung!

Solltet ihr euch nicht sicher sein, das Leben mit einem Auslandshund meistern zu können, informiert euch lieber über seriöse und gute Züchter, deren Welpen gut sozialisiert und an unsere Umwelt gewöhnt sind.

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