Hund – ja oder nein?

Hund - ja oder nein

Am Anfang steht die Sehnsucht – die Sehnsucht nach einem Hund – auf die Sehnsucht folgt der Wunsch – der Wunsch nach einem Hund – und aus dem Wunsch entstehen nach und nach und dann immer konkreter die Überlegungen – Hund – ja oder nein?

Viele Menschen denken lange, manchmal sogar Jahre, darüber nach, ob sie sich einen Hund in ihr Leben holen sollen oder nicht. Vor allem, wenn sie sich nicht sicher sind, ob es in der momentanen Lebenssituation passt.

Und viele informieren sich lange vorher, bevor überhaupt auch nur ansatzweise eine Entscheidung gefallen ist. Sie überlegen sich, ob es passt, ob sie genügend Zeit haben und welcher Hund es sein soll.

Andere wiederum handeln sehr kurz entschlossen und scheinbar unüberlegt, einfach aus dem Bauch heraus.

Auch bei uns gab es keine lange Vorbereitungsphase. Persönliche Gründe, die ich hier nicht näher erläutern werde, haben uns schneller zu einer Entscheidung gedrängt als von uns selbst geplant war. Doch grundsätzliche Fragen und Überlegungen gab es schon. Wir haben keine Wochen oder Monate mit der Entscheidungsfindung verbracht, allerdings auch nicht aus dem Bauch heraus eine unüberlegte Entscheidung gefällt. Letztendlich war das Thema Hund aber schon viele Jahre auf dem Tisch und wir haben es immer wieder verschoben, weil es gerade hier und da und dort nicht gepasst hat. Wir haben alles gemeinsam besprochen und überlegt. Und sind dann auf die Suche gegangen.

Was ist denn nun der richtige Weg? Ich denke tatsächlich, das muss jeder für sich entscheiden. Doch ein wenig Zeit nehmen sollte man sich trotzdem und sich selbst ein paar Fragen ehrlich beantworten.

Eine der ersten Fragen, die unbedingt geklärt sein sollten, ist die, ob Hunde in der Wohnung oder im Haus erlaubt sind. Dies klärt man am besten mit seinem Vermieter. Hat man Eigentum und lebt selbst darin, fällt diese Klärungsfrage natürlich weg. Und hält man den Hund heimlich, fliegt einem unter Umständen innerhalb kürzester Zeit eine Kündigung der Wohnverhältnisse um die Ohren, wenn es rauskommen sollte. Das will sicherlich keiner riskieren. Wichtig ist auch noch, den Mietvertrag zu checken, ob er eventuell eine Klausel enthält, die Haustiere verbietet.

Das war bei uns zum Glück gar kein Problem. Auch unsere Vormieter hatten schon Hunde und bei uns war Haustierhaltung, speziell auch Hundehaltung, erlaubt.

Was tun, wenn der Vermieter nicht einverstanden ist? Vielleicht kann man, bevor man den Vermieter für total „blöd“ erklärt und sich darüber aufregt (was natürlich verständlich ist), diesen einfach fragen, warum er gegen Hundehaltung ist. Vielleicht hat er ja triftige Gründe und man kann diese entkräften? Sicher, man kann keine Probehundehaltung vereinbaren und wenn es nicht klappt, wie beide Parteien es sich vorstellen, den Hund einfach wieder zurückgeben.

Aber es gibt sicherlich ein paar Möglichkeiten. Zum Beispiel kann man sich schon rechtzeitig überlegen, was für einen Hund man haben möchte. Und dem Vermieter etwas über diese Hunderasse erzählen, ein Foto zeigen. Gleichzeitig kann man auch erklären, dass man vorhat, eine Hundehalterhaftpflichtversicherung abzuschließen, die auch für Schäden in der Wohnung aufkommt. Vielleicht kann man auch erzählen, dass man vorhat, von Anfang an eine Hundeschule zu besuchen und den Hund zu erziehen.

Sollte sich der Vermieter dann doch entschließen, einen Hund zu erlauben, weil er einsieht, dass ihr als Mieter sehr vernünftig seid und seine Bedenken versteht, dann ist doch alles gut. Natürlich kann immer Unvorhergesehenes passieren, aber da steckt sowieso niemand drin. Allerdings ist es wohl sinnvoll, sich die Hundehaltung dann auch schriftlich bestätigen zu lassen, dann hat man auch etwas in der Hand, sollte der Vermieter seine Meinung wieder ändern.

Sollte Hundehaltung in der Mietwohnung/im Miethaus von vornherein erlaubt sein, ist eh alles bestens. Trotzdem schadet es nicht, den Vermieter über das Vorhaben zu informieren.

Ist mit dem Vermieter alles geklärt, tauchen auch schon die nächsten Fragen auf, die man sich stellen sollte.

Wir haben uns zusammengesetzt und alles miteinander besprochen. Meine Kinder sind erwachsen, es war von vornherein klar, dass sie mit unserer Entscheidung erst einmal nichts zu tun haben werden. Kurze Hundesitter-Tätigkeiten hatten sie uns zugesagt. Aber es war klar – dieser Hund wird unserer sein, nicht ihrer. Über kurz oder lang ziehen sie aus und somit bleiben nur wir und unser Hund.

Doch sind die Kinder noch jünger, solltet ihr unbedingt klären, ob auch wirklich alle einen Hund wollen und bereit sind, sich nach ihren Möglichkeiten einzubringen. Sind die Kinder vom Alter her schon in der Lage, mit einem Hund umzugehen? Sollte man warten, bis die Kinder älter und verständiger sind? Oder traut man sich zu, kleine Kinder an den Umgang mit einem Hund heranzuführen? Ausreichende Informationen über das Handling Hund und Kinder gibt es in verschiedenen Büchern auch zum Nachlesen. Es macht also durchaus Sinn, sich rechtzeitig darüber zu informieren. Das ist allerdings ein eigenes Thema, das würde hier zu weit führen.

Grundlegende Gedanken zur Haltung sollte man sich auf jeden Fall vorher machen und sich auch damit auseinandersetzen, dass Hunde Arbeit bedeuten. Viel zu viele Hunde werden aus Gründen der Überforderung ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben. Das ist sehr traurig und ich persönlich würde mir wünschen, dass dies nicht passiert.

Fragt euch, warum ihr eigentlich einen Hund wollt. Was soll der Hund erfüllen? Soll er ein Bedürfnis nach Freundschaft, Vertrautheit und Zusammengehörigkeit erfüllen? Habt ihr das Bedürfnis, zu helfen – also vielleicht einen Hund aus dem Tierschutz, ob nun Tierheim oder Auslandstierschutz, zu nehmen? Ist euer Bedürfnis nach Sicherheit und Unterstützung ein ausschlaggebender Gedanke beim Hundewunsch? Oder vielleicht wünscht ihr euch im Zusammensein mit dem Hund bedingungslose Liebe und Loyalität? Ist es euch ein Bedürfnis, euch um jemanden zu kümmern? Alle diese Fragen sind legitim und sollten überdacht werden.

Natürlich spielt auch die eigene körperliche Fitness eine Rolle. Ein Hund muss bei jedem Wetter raus, also sollte man sich gut überlegen, ob man das auch leisten kann und möchte. Die Frage nach den Freizeitaktivitäten solltet ihr euch ebenfalls stellen. Welche Hobbys habt ihr? Welchen dieser Hobbys könnt ihr auch mit Hund nachgehen? Joggen, Fahrradfahren, Wandern kann man ja, je nach Hund, immer noch umsetzen und seinen treuen Begleiter mitnehmen. Macht ihr jedoch gerne Städtetouren aus oder stöbert ihr leidenschaftlich durch irgendwelche Märkte, sieht es schon wieder anders aus. Solche Aktivitäten können für einen Hund aufgrund der großen Menschenansammlungen sehr stressig sein. Nicht jeder Hund bleibt bei Menschmassen gelassen.

Was ist mit Urlaubsreisen? Kann und möchte ich auf Fernreisen verzichten? Oder habe ich einen lieben Hundesitter, der in dieser Zeit auf meinen Vierbeiner aufpassen kann? Bin ich bereit, meine Urlaubswünsche dem Wohl des Hundes anzupassen?

Wir fahren gerne mit unserem Hund weg. Er glücklicherweise auch mit uns. Wir freuen uns schon darauf, wieder eine hundetaugliche Unterkunft zu suchen. Bis jetzt haben wir hauptsächliche gute Erfahrungen gemacht. Ich bin sowieso lieber in einer Ferienwohnung als im Hotel. Das lässt sich wunderbar mit Hund vereinbaren.

Wobei es immer gut ist, einen Hundesitter in petto zu haben. Überlegt mal, ihr müsstet überstürzt ins Krankenhaus, seid krank zu Hause und könnt absolut nicht rausgehen, Besorgungen oder Arztbesuche stehen an? Was dann? Wie sieht es mit dem Job aus? Kann ich diesen mit einem Hund noch so ausüben? Kann ich den Hund vielleicht sogar mitnehmen? Wie viele Stunden bin ich außer Haus? Wie kann man das managen, dass ein Hund nicht 8 oder 10 Stunden alleine ist? Klar kann man einem Hund das Alleinbleiben beibringen. Ein zuverlässiger Hundesitter, ob nun aus der Familie oder dem Bekanntenkreis oder ein professioneller Hundesitterservice, ist schon Gold wert.

Ja, das sind eine Menge Überlegungen, die man da anstellen sollte. Doch gemessen an der Zeit, die ein Hund bei einem verbringt, wenn er das Glück hat, alt zu werden, ist es nur ein winzig kleiner Bruchteil, den ihr da investiert, bevor ihr einen Hund in euer Leben lasst. Unsere Hunde begleiten uns, wenn wir Glück haben, im Durchschnitt gute 15 Jahre.

Ein Hund braucht Aufmerksamkeit und gemeinsame Unternehmungen. Was ist zum Beispiel dann, wenn ein Familienmitglied eine Allergie hat oder entwickelt? Wie geht man damit um? Der finanzielle Aspekt sollte auch Beachtung finden. Tierarztkosten, Hundespielzeug, Körbchen und vieles mehr, das kostet alles Geld.

Eine letzte Frage gilt es dann noch zu klären: Woher soll der Hund denn nun kommen? Vom Züchter? Da schau ich mir die Rassen an und wozu sie ursprünglich gezüchtet wurden und überlege, welche zu mir und meinem Leben passt. Vom Tierheim? Da kann ich mir die Hunde schon vorher ansehen, die im Tierheim leben. Ich kann eventuell schon mal mit dem Tierheimhund Gassi gehen, ihn nach einiger Zeit auch mal probeweise daheim haben. Die unsicherste Variante ist wohl ein Hund aus dem Auslandstierschutz. Aber auch das ist handelbar, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass da einiges auf einen zukommen kann. Und viele Auslandshunde befinden sich schon in Deutschland auf Pflegestelle. Wie und wo man über Züchter, Tierheimhunde und Tierschutzorganisationen mehr herausfinden kann, werde ich in gesonderten Beiträgen schreiben.

All diese Fragen sollen nicht abschreckend wirken. Ich finde es wichtig, sich über einige Dinge klar zu werden, bevor man eine Entscheidung trifft, die ein Hundeleben andauert. Und genau aus diesen Gründen sollte man gut darüber nachdenken, miteinander sprechen, sich Informationen holen, sich sein Leben und seinen Lebensrhythmus ansehen und vieles mehr.

Schlussendlich sollte man sich den Hund aussuchen, der zu einem passt und nicht danach, wie hübsch oder toll oder groß oder was auch immer er ist. Eine Aussage, die mir immer wieder in den Sinn kommt, ist folgende: „Mein Hund ist sicherlich der hässlichste Hund auf Erden, aber ich liebe ihn trotzdem sehr, genau so wie er ist!“ Das fand ich sehr schön und anrührend.

3 thoughts on “Hund – ja oder nein?”

  1. Toller, informativer Beitrag! Meinen Hund Laica, fanden wir im Alter von zwei Monaten in der Bronx in NYC, ausgesetzt im Schnee neben dem Müll. Ein Blick in ihre Augen und wir wussten sie wird bei uns bleiben und jetzt fast 15 Jahre später kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war! 🙂

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