Rücksichtnahme – ein heißes Thema

Rücksichtnahme
Diesem Thema begegnet man immer wieder, ob nun im Internet, in diversen Foren, der Zeitung oder persönlichen Gesprächen.

Radfahrer oder Jogger, die wie aus dem Nichts an einem vorbeirasen und am besten noch im Dunkeln ohne Licht, egal, ob mit Hund (angeleint oder nicht), Kind oder alleine unterwegs. Hunde, die nicht angeleint sind und auf den eigenen angeleinten Hund zulaufen, in ihn reinlaufen, ob nun mit guter oder böser Absicht und die Hundehalter dazu, die sich nicht kümmern. Dieses und mehr kennen wir alle.

Letztens auch wieder so ein Beispiel: Ich steh mit meinem angeleinten Hund auf der Wiese. Wir machen gerade ein paar Übungen. Da kommt so ein kleiner Wuschel angerannt und möchte gerne mit meinem spielen. Der will natürlich auch spielen. Mitten im Training. Hm. Rücksichtlos? Ja, schon irgendwie. Lein deinen Hund halt rechtzeitig an, denke ich mir. Aber die Hundehalterin war schnell da, ihren rufend und hat ihn dann auch wieder eingefangen. Natürlich hat sie bemerkt, dass wir gerade am Trainieren waren und sich tausendmal entschuldigt. Also doch nicht so rücksichtslos? Einfach nur mal gedankenlos gewesen? Schon eher. Passiert halt mal.

Radfahrer und Jogger, die ungebremst an einem vorbeirauschen und dann oft noch sehr nah, gibt es auch eine Menge. Was ist das? Schätzen sie die Situation falsch ein? Rechnen sie nicht mit der Unberechenbarkeit eines Tieres? Oder vielleicht sogar eines Kindes? Denn es sind ja nicht nur HundehalterInnen davon betroffen. Auf sich aufmerksam machen mit Rufen und Klingeln, langsamer werden, evtl. sogar abbremsen oder gar stehen bleiben, wenn man die Situation nicht überblickt, scheint unmodern geworden zu sein. Und prescht dann der Hund vor und möchte vielleicht sogar schnappen, dann wird man beschimpft und schimpft zurück. Ärger auf beiden Seiten. Jeder fühlt sich im Recht. Blöde Situation, oder? Wer hat sie noch nicht erlebt.

Da mein Hund zu denen gehört, die dann gerne hinterherhetzen würden und evtl. sogar Geschmack an dem einen oder anderen Wadel finden würde, lasse ich ihn absitzen und hocke mich zu ihm. Geschirrgriff und wenn er brav sitzen bleibt und nicht die Ambitionen hat, hinter dem vermeintlich leckeren Radfahrer- bzw. Joggerwadel herzulaufen um ein Stück abzubeißen, lobe ich ihn auch ganz fest. Auf diese Art und Weise haben wir es ganz gut hinbekommen, dass er nicht mehr so schnell so heftig reagiert. Und tatsächlich gibt es sie, die freundlichen Radfahrer und Jogger, die sich bedanken, dass man Rücksicht auf sie nimmt. Das freut einen dann doch auch schon mal.

Wir leben heute in einer Welt, in der alle immer nur sich sehen und das auch immer zuerst, vor allen anderen. Ich habe so das Gefühl, dass Rücksichtnahme stetig abnimmt. So scheint es zumindest. Liest und hört man dann all die Beschwerden und denkt an all die Situationen, denen man selbst ausgesetzt war und ist, fange ich zumindest an zu überlegen. Denn viele fordern sie, die Rücksichtnahme. Ich plädiere dafür, dass wir alle sie wieder lernen. Rücksicht auf die anderen, Rücksicht auf unsere Mitmenschen. Fassen wir uns doch an die eigenen Nasen und fangen schon mal damit an und zwar bei uns selbst. Wir können nicht nur Rücksichtnahme von anderen einfordern. Wir sollten Rücksicht nehmen auf andere, dies auch deutlich zeigen und wir werden sehen, dass etwas zurückkommt. Manchmal wird es Nichtbeachtung sein, manchmal nur ein Gruß und manchmal ein Dankeschön. Und vielleicht, irgendwann, nimmt man auch auf uns Rücksicht. Dann bedanken wir uns freundlich dafür und freuen uns darüber.

Und sollten wir es in Momenten der Rücksichtslosigkeit anderer schaffen, freundlich in unserem Ärger zu bleiben, die Person darauf aufmerksam machen – freundlich – dass man sie nicht gehört und gesehen hat, ja vielleicht passt diese Person dann das nächste Mal besser auf und macht sich sogar vorher bemerkbar. Dann haben wir doch auch schon etwas erreicht. Bittet man Menschen, ihre Hunde anzuleinen, damit sie eben nicht in den eigenen schon angeleinten Hund hineinlaufen können und erklärt vielleicht freundlich, warum und diese tun es dann auch, haben wir wieder etwas erreicht und beim nächsten Mal klappt es vielleicht schon viel früher. Und wir sollten nicht vergessen, dass einem trotz aller Rücksichtslosigkeiten doch auch eine Menge Menschen begegnen, die sehr wohl Rücksicht nehmen. Ein herzliches Dankeschön an diese Menschen!