NIKOLAUSHUND – DIE ZWEITE

Es war einmal ein kleiner Hund, Mischling, in Spanien ausgesetzt und mit 5 Monaten (ca.) eingesammelt von einer Tierschutzorganisation, aufgepeppt und nach Deutschland verfrachtet.

Unser Hund. Unser Nikolaushund.

Gesehen und gekauft. So schnell kann es gehen.

Hätte ich es wieder so gemacht, wenn ich vorher gewusst hätte, was alles auch mich zukommt? Ja. Hätte ich. Vielleicht mit ein bisschen mehr Infos vorher, aber ich würde es wieder machen.

Und dabei habe ich wirklich nicht mit der ganzen Problematik gerechnet, die man beachten sollte, wenn es denn ein Hund aus dem Tierschutz wird.

Als wir den kleinen Racker abholen, passiert schon das erste Malheur. Denn die Überlegung, bevor wir nach Hause kommen, noch schnell mal auf die Wiese zu gehen, erweist sich als fataler Fehler. Sicher, wir wurden auch nicht vorgewarnt. Leider. Denn das hätte uns und unserem Nikolaushund, der im übrigen Paolo heißt, eine leidvolle Erfahrung erspart. Wir also aus dem Auto, Hund rausgehoben und mit Leine und Halsband geht es die ersten Schritte Richtung Wiese. Paolo hängt nur in der Leine, zieht wie ein Wilder und als uns auf dem Weg noch eine Mutter mit Kinderwagen entgegenkommt, zieht er in die andere Richtung. Windet sich aus dem Halsband und auf geht’s im Schweinsgalopp in das nächste Gestrüpp. Glücklicherweise können wir in bald wieder einsammeln. Gefühlt dauert es hunderte von Stunden, real sind es wohl nur 20 Minuten, bis wir endlich wieder im Auto sitzen und den Rest des Wegs nach Hause fahren.

Daheim dann flippen die Miezen aus. Habe ich ja schon beschrieben.

Die ersten Gassigänge, nachdem wir ein ordentliches Geschirr gekauft haben, erinnern schon ein wenig an Zughundesport mit vielen Ausweichmanövern. Was kreucht und fleucht da auch so durch den Wald, wenn wir gehen. Pfui Teufel, Radfahrer, Jogger, Frauen mit Kinderwägen, Kinder überhaupt, ältere Damen mit Rollator… Hunde sind das geringere Übel, aber die anderen, die da am Ende der Leine hängen, uuäääh…

Und das erste Wochenende mit uns in der Hundetrainerausbildung. Lauter komische, fremde Menschen. Einfach nur grässlich… Denkt sich der Hund. Was muten mir die denn zu? Doch schlimm war nur der Beginn, dann wurde es besser. Am nächsten Morgen freut er sich schon, kaum, dass wir auf den Parkplatz einbiegen, auf den Hundeplatz. Den er zielstrebig, gerade erst aus dem Auto raus, ansteuert.

Es wird. Mit viel Zeit, Geduld, ja – auch Ärger und Tränen – es wird. Die Monate vergehen, der Hund kommt langsam an. Gassi gehen wird einfacher. Menschen sind auch nicht mehr ganz so schlimm. Selbst Fahrräder und Jogger wirken nicht mehr so gefährlich wie am Anfang.

Wir wachsen zusammen und kuscheln.